Interview mit Lara Ermer – Alle gegen alle – Show zum Buch (Lesung/Comedy)

Lesung & Comedy in der Friedenskapelle Kaiserslautern

Freitag, 27. Februar 2026 | 20:00 Uhr (Einlass 19:30 Uhr)
Lara, du hast Psychologie studiert, bist dann aber auf die Bühne gewechselt. Was hat dich dazu bewegt, Konflikte und Streit aus der Theorie in Comedy zu übersetzen?
Wir alle kennen das Gefühl, dass man eine politische oder gesellschaftliche Diskussion zum gefühlt tausendsten Mal führen muss und sein Gegenüber anschaut und denkt: „Was ist eigentlich los mit dir?? Ich hab doch recht – also was hast du?“ In genau dieses Gefühl wollte ich reingehen und krampfige Diskussionen aufbrechen. Dafür nutze ich die Mischung aus allen Dingen, die mich begeistern: Studien, Nischenwissen und jede Menge Humor.

„Alle gegen alle“ verbindet Humor mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wie schaffst du es, dass das Publikum gleichzeitig lachen und lernen kann?
Wir alle sehnen uns danach, uns nicht allein zu fühlen mit unseren Sorgen und Gedanken. Deshalb ist es ziemlich leicht, zu solchen Themen ein Publikum abzuholen, indem ich sage: Hey, ich kenne das, wir alle sind gerade vom gesellschaftlichen Klima ganz schön überfordert, ich hab mal nachgeschaut, warum das überhaupt alles so ist. Und genau in dieser Erleichterung, aber auch darin, sich selbst immer wieder ertappt zu fühlen, liegt eine fantastische Grundlage, um gemeinsam über alles zu lachen.

Dein Buch feiert das Streiten regelrecht. Gibt es Situationen, in denen Streit wirklich heilsam sein kann – und wo hört der Spaß auf?
Streit kann immer da helfen, wo er auf gegenseitigem Verstehen-Wollen basiert. Wenn ich eine Diskussion nur führe, um am Ende bitte immer noch recht zu haben, und nicht, weil mich die Sichtweise meines Gegenübers auch ehrlich interessiert, dann mag es vielleicht ein Ventil für Wut und Frust sein, mehr aber auch nicht. Was nicht heißt, dass ich das selbst mittlerweile verinnerlicht habe und vollständig umsetzen kann. Im Laufe der Recherchen für mein Buch habe ich mich immer wieder selbst ertappt dabei, ein ganz schöner Dickkopf zu sein. Mega nervig. Ich hätte herzlich gern ein Buch darüber geschrieben, wie sehr ich persönlich übrigens richtig liege. Stattdessen die gute Nachricht fürs Publikum: Ich zwinge niemanden dazu, über sich selbst nachzudenken, wir können stattdessen einfach alle gemeinsam mir auf die Finger schauen und über meinen Sturkopf den Kopf schütteln. Den Job übernehme ich gerne stellvertretend.

Kannst du ein Beispiel für ein psychologisches „Totschlagargument“ geben, das bei einem typischen Familienstreit überraschend effektiv ist?
In der Debatte darüber, was Satire alles darf oder eben nicht, habe ich eine herrliche Studie gefunden: Frauen, die in einem wissenschaftlichen Versuch sexistische deutschsprachige Comedy gucken mussten, haben dadurch hinterher signifikant schlechter in Intelligenztestaufgaben abgeschnitten. Das ist ein grandioser Funfact, um jede „sind doch alles nur Witze, nehmt das doch nicht so ernst“-Argumentation einmal ordentlich durchzurütteln – und richtig lustig ist diese Studie eben auch. Genau da liegt mein Sweetspot. Ulkiges Nischenwissen, dass zum Lachen und Umdenken gleichzeitig bringt.

Dein viraler Clip mit Bodo Wartke über Dickpics zeigt, dass digitale Konfliktthemen dir liegen. Wie wichtig sind Social Media für deine Bühnenarbeit?
Um Social Media kommt man, wenn man neues Publikum erreichen will, nicht mehr drum herum. Das Schöne daran ist allerdings gleichzeitig, dass genau da, wo uns aktuell oft schlechte Nachrichten im Sekundentakt erschlagen, ich mit witzigen Videos ein bisschen gegenhalten kann. Wie schön, wenn man zwischen Headlines und Überforderung mal zum Lachen gebracht wird – zum Beispiel mit einem Zungenbrecher über Dickpics.

Welche eigenen Konflikte – privat oder beruflich – haben dich besonders geprägt und fließen direkt in dein Programm ein?
Ich habe als junge Frau auf Bühnen oft gehört, ich könne doch mal bitte „netter“ sein. Will ich ja aber gar nicht. Deshalb habe ich mich viel damit beschäftigt, wie wir Wut konstruktiv einsetzen können – und warum sie vielleicht nicht immer konstruktiv sein muss.
Wie unterscheidet sich eine Lesung auf der Bühne von einem klassischen Comedy-Auftritt, und wie kombinierst du beides in „Alle gegen alle“?
Als ich angefangen habe, Bücher zu schreiben, war für mich völlig klar: Bei mir gibt es keine typische „Wasserglaslesung“. Schließlich bringe ich über 10 Jahre Bühnenerfahrung mit, wie schade wäre es doch, diese nicht zu nutzen. Deshalb erzähle ich zwischen den Lesestellen lockere Anekdoten und Pointen, baue immer wieder Momente zum Durchatmen und Mitlachen ein.

Ist dein Programm eher für ein junges Publikum gedacht, oder können auch Ältere, die Konflikte anders erleben und davon profitieren?
Ich hatte im Publikum schon eine 92-Jährige, die sagte, sie hätte mich gerne in ihrem langen Leben als Freundin gehabt, aber auch Teenager, die mir Fotos davon schicken, wie sie auf Partys via Leinwand quasi „Public Viewings“ mit Bühnenausschnitten von mir abhalten. In letzter Zeit passiert es mir oft, dass nach Shows Familien zu mir an den Büchertisch kommen und sich bedanken, dass ich zwischen den Generationen neue Gespräche angestoßen habe. Also würde ich guten Gewissens sagen: Da ist für alle was dabei.



Viele Menschen vermeiden Konflikte gerade bei Familienfeiern. Wie reagierst du, wenn dein Publikum sagt: „Ich streite nicht gern“?
Ich drücke ihnen mein Buch in die Hand und bin frohen Mutes, dass sie knapp 200 Seiten später wieder Lust am Streiten haben.

Du schreibst, dass unterdrückter Ärger ungesund ist. Bedeutet das, wir sollten öfter und bewusster streiten?
Unbedingt! Manche Konflikte lassen sich nun mal nicht wegatmen oder kaputtkuscheln. Es gibt außerdem einige Studien, die gezeigt haben: Gespräche mit anders eingestellten sind am Ende meistens viel weniger unangenehm, als wir uns das vorgestellt haben. Also Mut zur Heftigkeit und rein in die Konfrontation.

Wie findest du die Balance zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und unterhaltsamer Übertreibung?
Genau da liegt mein Sweetspot. Ich liebe Wissen, dank all der Studien, die ich durchgeackert habe, weiß ich aber auch: Die sind total kacke zu lesen. Deshalb macht es mir umso mehr Spaß nützliches Wissen konsumierbar und unterhaltsam aufzuarbeiten.
Du trittst zum ersten Mal in Kaiserslautern auf. Was erwartest du vom Publikum hier in der Friedenskapelle, und gibt es etwas, dass dich besonders reizt an dieser Stadt?
Ich war tatsächlich noch nie in Kaiserslautern und bin dementsprechend neugierig auf Stadt und Leute. Da ich unfassbar viel unterwegs bin, versuche ich mir an den Tourstationen Ausgleich und Inspiration zu schaffen. Das heißt in der Regel: Hauptsache ein Museum & ein guter Kaffee. In Sachen Museum hatte ich mir die Pfalzgalerie vorgenommen, Café-Empfehlungen werden gerne entgegengenommen.

Welche Themen könnten für dein nächstes Programm interessant werden – bleibst du beim Streit, oder wechselst du zu anderen gesellschaftlichen Herausforderungen?
Da hab ich schon einiges auf dem Schreibtisch und in der Schublade liegen und stecke mal wieder Hals über Kopf in Recherchen. Noch darf ich nichts verraten – also am besten mal auf Social Media vorbeischauen. Oder noch besser: Mich nach der Lesung auch mal auf meiner Comedytour „Leicht entflammbar“ besuchen.

Was soll das Publikum, außer deinem Buch nach deinem Auftritt mit nach Hause nehmen?
Meine Traumvorstellung ist, dass die ein- oder andere Person sich nach einer meiner Shows mal in einem dieser vertrackten Streitgespräche wiederfindet – und exakt dann kichern muss, weil der Person gerade eine meiner Pointen wieder eingefallen ist. So hoffe ich heimlich still und leise ein paar Konflikte zu entkrampfen.

Tickets
Tickets sind erhältlich über die Homepage der Friedenskapelle Kaiserslautern:
www.friedenskapelle-kl.de oder über die Ticket-Hotline 0631 362 58-00
Preis: 15 € VVK | 17 € AK
Rückfragen: Sebastian Geiss, sebastian.geiss@vhs-kaiserslautern.de, Tel. 0631 36258-24

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Quelle Text/Bild:
VHS Kaiserslautern – Weiterbildungszentrum
Kanalstr. 3
67655 Kaiserslautern
http://www.vhs-kaiserslautern.de

Kaiserslautern, 26.02.2026

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