Sportbund Pfalz e. V. – Mit Zuckerbrot und Peitsche

Sportbund Pfalz & Verein Pfälzische Sportgeschichte präsentieren ein Buch über den Mannheimer Rudertrainer Fritz Gwinner – Exponate fürs Pfälzische Sportmuseum Hauenstein

„Mit Zuckerbrot und Peitsche“ heißt das Buch, dass der Sportbund Pfalz zusammen mit dem Verein Pfälzische Sportgeschichte jetzt neu herausgegeben hat. Es sind „Erinnerungen an den Rudertrainer Fritz Gwinner“, der von 1890 bis 1992 lebte, viele Jahrzehnte davon in Mannheim. Der in Rudersportkreisen heute noch bekannte Trainer war zwar kein Pfälzer, aber er agierte länderübergreifend in der heutigen Sportregion Rhein-Neckar. Als Trainer beim Mannheimer Ruderverein „Amicitia“ hat es Gwinner „mit Zuckerbrot und Peitsche“ zu großem Ruhm gebracht und oft profitierte er hierbei auch von der Kooperation mit dem Ludwigshafener Ruderverein.



1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin feierte Fritz Gwinner seinen größten Erfolg als Trainer, den Gewinn der Goldmedaille mit dem Vierer mit Steuermann. Im Boot saßen die Mannheimer Ruderer Hans Maier, Walter Volle, Ernst Gaber und Fritz Bauer (Steuermann) sowie der vom Ludwigshafener Ruderverein stammende Paul Söllner als Schlagmann. Sensationell besiegte diese Renngemeinschaft Mannheim/Ludwigshafen die favorisierten Schweizer im Endlauf – eine Sensation damals.

Aber der Erfolg kam nicht von ungefähr. Fritz Gwinner trainierte auf der Höhe der Zeit. Er nahm innovative Entwicklungen und technische Neuerungen auf, erkannte schnell ihr Potenzial und setzte sie um. Diese Prozesse beschreibt das Buch in verschiedenen Kapiteln, es geht hierbei beispielsweise um die Übernahme eines neuen, „natürlichen“ Ruderstils und um die Entwicklung von der Kasten- zur Drehdolle bei den Ruderbooten. (Die Dolle dient der Befestigung des Ruders auf der Bordkante oder am Ausleger eines Ruderbootes.) Diese Neuerungen wirkten sich positiv auf die sportlichen Leistungen aus – wer dies nicht erkannte, ruderte hinterher.

Fritz Gwinner kam bereits 1924 als Trainer von Frankfurt nach Mannheim zur „Amicitia“ und bildete regelmäßig Ruderer aus, die später nationale und internationale Erfolge erzielten. Bereits 1928 und 1932 betreute er Rennboote der Mannheimer „Amicitia“ bei den Olympischen Spielen in Amsterdam und Los Angeles. Beachtenswert bis dahin: die Silbermedaille mit dem Vierer ohne Steuermann 1932 in Los Angeles. Sein größter Erfolg, die Goldmedaille bei Olympia 1936 im eigenen Land, bescherte ihm dann auch eine neue Anstellung als Trainer. Der Berliner Ruderclub erkannte den von Gwinner praktizierten, natürlichen Ruderstil als zukunftsweisend und engagierte den Mannheimer nach den Spielen als Trainer. Gwinner blieb bis 1954 in Berlin und kehrte dann nach Mannheim zurück, wo er noch bis in die Mitte der 1960er Jahre als Trainer aktiv war.

1986 trafen sich die Ruder-Olympioniken von 1936 in Berlin zum Jubiläum. Mit-Autor des Buches Udo Korgitzsch, damals 1. Vorsitzender des Berliner Ruder-Clubs und Organisator des Treffens sowie von 1983 bis 1993 Vorsitzender des Landesruderverbandes Berlin, erinnert mit einem amüsanten Beitrag an dieses denkwürdige Treffen.

Diese im Buch beschriebenen Stationen im Leben Fritz Gwinners erklären aber noch nicht den Titel des Werks „Mit Zuckerbrot und Peitsche“. Dieser geht hervor aus einem Artikel des Jahres 1980 von Kurt Neufert, Redakteur des „Mannheimer Morgen“ zum 90. Geburtstag Fritz Gwinners: Neufert schrieb: „…Kameradschaft zu seinen Ruderern war ihm ebenso selbstverständlich wie strikte Disziplin. Mit »Zuckerbrot und Peitsche« ging er ans Werk, indes war das Training zwar ein hartes Brot, es ging dabei aber auch humorvoll zu, denn Gwinner hatte eine Begabung der bildlichen Sprache und des „Anfetzens“, dass sich die Mienen der Männer bis zum Gelächter aufhellten. Und er war zugleich ein exzellenter Psychologe. Er brachte es fertig, einem bei der Heidelberger Regatta siegreichen Achter, weil die Ruderer zwar schnell, aber nicht schön gerudert hatten, ein saures Gesicht zu präsentieren, ihn gar nicht erst aussteigen zu lassen, sondern zu verdonnern, die 20 km nach Mannheim zurückzurudern…“

Fritz Gwinner wurde 102 Jahre alt und verstarb 1992 in Mannheim. Umsorgt wurde er bis zu seinem Tod liebevoll von seiner Tochter Alexa, die dank der Öffnung ihres Familienarchivs mitausschlaggebend für die Veröffentlichung dieses Buches ist. Zugleich haben Ruderexperte Dr. Kurt Gelbert und der Archivar Reiner Flörsch, beide vom Ludwigshafener Ruderverein, wichtige Beiträge beigesteuert, um das Wirken und die Bedeutung Gwinners für den Rudersport herauszuarbeiten. Dem Pfälzischen Sportmuseum in Hauenstein hat Alexa Gwinner Exponate aus dem Sportleben Ihres Vaters zugesichert.

Die Zusammenarbeit mit dem Sportbund Pfalz kam nicht von ungefähr. Bereits vor fünf Jahren hat dieses Autorenteam in ähnlicher Zusammensetzung gemeinsam mit dem Sportbund eine Publikation über den Ludwigshafener Ruderer und Olympiateilnehmer von 1932, Hans Gelbert veröffentlicht. Trainer von Gelbert war seinerzeit Fritz Gwinner, der für seinen Achter der Mannheimer Amicitia noch einen guten Ersatzmann benötigte.

 

Mit Zuckerbrot und Peitsche – Erinnerungen an den Rudertrainer Fritz Gwinner (1890-1992)
ISBN 978-3-00-066457-1
Herausgeber Sportbund Pfalz e.V. & Verein Pfälzische Sportgeschichte e.V., Paul-Ehrlich-Straße 28 a, 67663 Kaiserslautern
Redaktion Kai-Asmus Kaufmann (Sportbund Pfalz), Reiner Flörsch, Kurt Gelbert, (Ludwigshafener Ruderverein), Alexa Gwinner (Mannheim), Udo Korgitzsch (Berlin)
Genre Sportgeschichte, Rudersport
Umfang 80 Seiten, reich bebildert, Softcover,
Preis 15,90 Euro.
Bestellungen E info@sportbund-pfalz.de
Infos www.sportbund-pfalz.de

Quelle Text/Bild:
Sportbund Pfalz e. V.
Paul-Ehrlich-Straße 28 a
67663 Kaiserslautern

www.sportbund-pfalz.de

Kaiserslautern, 01.12.2020