Lesetipps von der Buchhandlung „blaue Blume“ 02.05.

Mohammed Hanif – Rote Vögel
Der amerikanische Major Ellie soll im Nahen Osten mit seinem Bomber ein Flüchtlingscamp attackieren, in dem man Terroristen vermutet, doch sein Flugzeug stürzt ab – und er wird ausgerechnet vom 15-jährigen Momo gerettet, der in dem Lager lebt und seinen Bruder bei den Amerikanern vermutet. Nach dem Angriff treffen eine westliche Hilfsorganisation und eine Wissenschaftlerin ein, die Momo über seine Traumata befragen möchte – da Momo Geschäftsmann werden will, lässt er sich für ein paar Dollar gern interviewen. Und auch Momos Hund kommt zu Wort, da er nach einem Stromschlag sprechen gelernt hat … Der Roman des Pakistani Mohammed Hanif beginnt mit Absurditäten, verliert aber nach und nach seinen Zynismus. Zum Vorschein kommt eine packende Abrechnung mit dem Westen und dessen Kriegen. (Aus dem Englischen übersetzt von Michael Schickenberg)
Roman | Hoffmann und Campe | 319 Seiten | 22,00 Euro

Charles Lewinsky – Der Stotterer
Roman | Diogenes | 409 Seiten | 24,00 Euro
Johannes Hosea Stärckle wird wegen seines Stotterns gehänselt, gedemütigt und geprügelt – er rächt sich dafür durch die geschriebene Sprache. Er nutzt sie nicht nur aus Notwehr, sondern setzt sie auch ein für seine Karriere, teils legal, teils illegal. Er bedient sich u.a. des „Enkeltricks“, wobei ihm eine „schriftstellerische Unsorgfältigkeit“ zum Verhängnis wird und ins Gefängnis bringt. Der Gefängnispfarrer ermutigt ihn zum Schreiben und verschafft ihm den Posten des Bibliothekars, wovon auch andere Insassen profitieren („Buchspenden“ als Transportmittel für Drogen). Der Betrug, dessentwegen der Stotterer ins Gefängnis kam, ist nichts im Vergleich zu dem, was er dem Padre in seiner Lebensbeichte erzählt – falls es stimmt! Der Ich-Erzähler weist selbst darauf hin, dass er in seinen Texten nicht immer zwischen Dichtung und Wahrheit trennt – nach seiner Entlassung will er Schriftsteller werden. Man kann den Roman als pointenreichen Schelmenroman lesen, sollte aber nicht über den ernsten Hintergrund hinwegsehen: die Macht des Wortes, die Wahrheit und Lüge verbreiten, die rettend, aber auch gefährlich, ja zerstörerisch wirken kann.

Dolores Redondo – Alles was ich dir geben will
Roman | btb | 608 Seiten | 22,00 Euro
Manuel Ortigosa muss von der Polizei erfahren, dass sein Mann auf einer einsamen Landstraße in Galicien ums Leben gekommen ist, und als der Schriftsteller vor Ort eintrifft, stellt er fest, dass Álvaro offenbar ermordet wurde, ein Doppelleben führte und nicht der war, der er zu sein vorgab. Warum nur will die Polizei den Fall so schnell zu den Akten legen? Manuel überwindet den Schock und macht sich auf, das zweite Leben und Schicksal seines Ehemanns zu ergründen. – Bestsellerautorin Dolores Redondo (die Autorin der Baztan-Trilogie) nimmt sich Zeit, um das Geheimnis ihrer Figuren glaubhaft zu verankern. Vor dem Hintergrund der herrlichen galizischen Landschaft und der wechselhaften Geschichte des Landes entwickelt sich eine feine Krimihandlung. (Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen)

Bernd Roeck – Leonardo. Der Mann, der alles wissen wollte
Sachbuch | C.H. Beck | 429 Seiten | 28,00 Euro
Am 2. Mai 1519 verstarb Leonardo da Vinci – das Universalgenie schlechthin oder, wie Bernd Roeck es in seinem sehr lesenswerten Buch formuliert, ein Mann, der alles wissen wollte. Was ihn zu einer Ausnahmeerscheinung macht: Er gab sich nicht damit zufrieden, so zu malen wie seine Zeitgenossen oder seine Kenntnisse auf das zu beschränken, was andere herausgefunden hatten: Er forschte, entwickelte, analysierte und probierte sich immer wieder in vielen Künsten und Wissenschaften. Der Historiker Roeck bringt uns Leonardo mit all seinen Facetten, seinen (ungelüfteten) Geheimnissen und Extravaganzen nahe, lässt mit wissenschaftlicher Expertise ein Porträt des Genies erstellen und schildert uns Leonardos Leben vor dem Hintergrund seiner Epoche. Obwohl schon unglaublich viel über ihn geschrieben wurde, findet sich in Roecks gut verständlicher Biografie noch jede Menge Neues und Überraschendes über da Vinci. Zum Jubiläum genau die richtige Lektüre.

Britta Sabbag – Blackwood – Briefe an mich
Jugendhörbuch (ab 14) | Der Audio Verlag | 2 mp3-CDs | 22,00 Euro
Blackwood heißt das kleine irische Dorf, in das Gesine nach dem Tod ihrer Mutter ziehen muss, denn hier wohnt Tante Wanda. Der 15-Jährigen fällt es schwer, sich an das neue Leben zu gewöhnen, und zwar nicht nur wegen der Feen-Geschichten, die Wanda erzählt, oder weil der tolle Arian schon seit Langem mit einem anderen Mädchen zusammen ist, sondern vor allem auch, weil sie in ihrem Schreibtisch Briefe findet, die ihr zukünftiges Ich an die aktuelle Gesine geschrieben hat. Wie kann es sein, dass sie sich selbst aus der Zukunft Ratschläge erteilt und Trost spendet? – Milena Karas, Tom Linden und Julian Horeysek können als Sprecher dieser humorvollen, irischen, fantastischen Liebesgeschichte voll überzeugen!

Jennifer Alice Jager – Windborn. Erbin von Asche und Sturm
Jugendbuch (ab 14) | Arena | 373 Seiten | 18,00 Euro
Die Erde ist nur noch eine Wüste, die Menschen ziehen auf der Suche nach Trinkwasser wie Nomaden umher und müssen sich vor den Skar hüten, die all jene versklaven, die sie in die Finger bekommen. In dieser Welt kämpft die junge, mutige Ashara, die als Wolkenstürmerin den Wind beherrscht, jeden Tag ums Überleben. Auf der Flucht vor den Skar begegnet sie Kiyan, in dem sie die große Hoffnung der Menschheit erkennt. Mit seiner Hilfe könnten sie die Tyrannen besiegen, denn auch er hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Doch so groß der Wille nach Freiheit auch ist, es liegt kein einfacher Weg vor den beiden … Die sympathische Ashara muss in einer (dystopischen) Welt ein überlebenswichtiges Abenteuer bestehen. Action, Spannung und das richtige Maß an Magie sorgen hier für Lesespaß.

Quelle Text/Bild:
buchhandlung blaue blume
Richard-Wagner-Str. 46
67655 Kaiserslautern

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Kaiserslautern, 02.05.2019