
Wie können Künstliche Intelligenz und Simulation die Biotechnologie voranbringen? Mit welchen Innovationen aus der Forschung können Unternehmen Ressourcen effizienter einsetzen und die Wertschöpfung steigern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Workshops »KI und Simulation in der Biotechnologie« am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern. Expert:innen aus Forschung, Industrie und Politik diskutierten am 7. November 2025 über nachhaltige und effiziente Lösungen für die Pharma- und Chemiebranche.
Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch eröffnete die Veranstaltung. In seinem Grußwort betonte er die Exzellenz des Landes Rheinland-Pfalz in der Künstlichen Intelligenz sowie in der Biotechnologie. Beides seien Zukunftsfelder mit großem Potenzial. »Ziel ist es, die Grundlagenforschung und den Transfer in die Anwendung noch stärker zu vernetzen und Schnittstellen noch enger miteinander zu verknüpfen,« so Minister Hoch.
Mit diesem Fokus nutzten die über 60 Teilnehmenden aus Wissenschaft und Industrie die Gelegenheit zum fachlichen Austausch in Vorträgen und Diskussionsrunden. Die Vorträge der Expertinnen und Experten spannten den Bogen von industrieller Biotechnologie über biodruckbasierte Anwendungen bis hin zu datengetriebener Prozessoptimierung. Es wird deutlich: Es besteht ein großes Potenzial darin, das Training von datenbasierten Lernverfahren und das Fachwissen über biologische Zusammenhänge und biotechnologische Produktionsprozesse weiter zu verknüpfen.
Podiumsdiskussion: Visionen von Künstlicher Intelligenz in der Biotechnologie
In der Podiumsdiskussion brachten Minister Clemens Hoch, Thomas Reith von Boehringer Ingelheim, Prof. Dr. Roland Ulber von der RPTU Kaiserslautern-Landau, Dr.-Ing. Eva Wilke von der BASF, Prof. Dr. Michael Maskos vom Fraunhofer IMM sowie Prof. Dr. Blaeser von der TU Darmstadt ihre unterschiedlichen Perspektiven ein. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Michael Bortz vom Fraunhofer ITWM.
Wissenschaftsminister Hoch sieht die Förderung der Biotechnologie als eine strategische Aufgabe. Auf die Frage, wo er Rheinland-Pfalz in zehn Jahren sehe, skizzierte Minister Hoch seine Vision: »In zehn Jahren denken die Menschen zuerst an Rheinland-Pfalz, wenn sie an KI und Biotechnologie in Deutschland denken.« Bis dahin gebe es noch viele einzelne Schritte zu tun – Investitionen tätigen und Forschungsergebnisse verwerten.
Ob Global Player oder Start-up: Industrie wächst mit Forschung zusammen
Eva Wilke von der BASF, dem größten Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz, nennt verschiedene Entwicklungen und Ansätze, die sie für die Zukunft der Chemieindustrie für besonders wichtig hält. Dazu gehöre unter anderem, dass grüner Kohlenstoff wettbewerbsfähig wird und die Gentechnikgesetze vereinfacht werden. Prof. Ulber von der RPTU greift das Thema »grüner Wasserstoff« auf. Mit diesem beschäftigt sich die Forschung schon seit 20 Jahren. Jetzt sei der Zeitpunkt, um aus der Grundlagenforschung in die Anwendung in der Industrie zu gehen.
Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sieht Thomas Reith, Standortleiter von Boehringer Ingelheim in Biberach, die Notwendigkeit, die großen Unternehmen, den starken Mittelstand Deutschlands, die Forschung sowie die Start-up-Szene zu verbinden. »Alle Teile des Puzzles sind da, jetzt kommt es darauf an, die Teile zusammenzufügen«, so Reith. Auf die Start-up-Szene geht auch Prof. Dr. Blaeser, Professor an der TU Darmstadt und Gründer der Unternehmens Black Drop Biodrucker ein: Die dynamische Start-up-Branche in Deutschland mit ihren vielen Ideen zeige, wie Grundlagenforschung und Transfer jetzt schon stärker zusammenwachsen.
Forschung für neue Branchen in einer zukünftigen Industrielandschaft
Einen Blick in die Zukunft in zehn Jahren wirft auch Professor Dr. Michael Maskos, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM. In Zeiten zunehmenden Wettbewerbs und zunehmender Komplexität sieht er Fraunhofer als Wegbereiter und Brückenbauer. Die Aufgabe der Forschung sehe er unter anderem darin, KMUs zu ermutigen, auch in neuen Branchen erfolgreich zu sein. Die Industrielandschaft in zehn Jahren werde ganz anders aussehen als heute. Jetzt sei der Zeitpunkt, neue Richtungen einzuschlagen.
Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion sind sich einig: Künstliche Intelligenz sei ein Werkzeug, mit dem Prozesse besser und schneller werden und das neue Erkenntnisse möglich macht. In der Biotechnologie sehen sie in der Verbindung mit Künstlicher Intelligenz große Potenziale. »Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass KI und die Biotechnologie zum Wohl von Menschheit, Gesellschaft und Umwelt eingesetzt wird. In Rheinland-Pfalz finden wir dazu das perfekte Ökosystem vor«, betont Minister Hoch.
Die Entwicklung von Nanomedikamenten beschleunigen
Ein Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Biotechnologie ist das vom Land Rheinland-Pfalz geförderte Projekt »Smart-Form – Smarte, KI-gestützte Formulierungsentwicklung für effektive Nanotherapeutika«. In enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IMM entwickelt das Fraunhofer ITWM eine innovative Plattform zur Optimierung von Formulierungsprozessen für Nanomedikamente. Ziel ist es, durch den gezielten Einsatz von KI die Entwicklung wirksamer und nachhaltiger Arzneiformen zu beschleunigen und zu verbessern. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Arzneimittelsouveränität in Deutschland und fördert zugleich die Nachhaltigkeit in der pharmazeutischen Produktion.
Veranstalter und Partner
Der Workshop »KI und Simulation in der Biotechnologie« wurde vom Leistungszentrum Simulations- und Software-basierte Innovation gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM sowie dem Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM organisiert, unterstützt vom Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz.
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Quelle Text/Bild:
Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik
Fraunhofer-Platz 1
67663 Kaiserslautern
www.itwm.fraunhofer.de
Kaiserslautern, 11.11.2025












