Protestaktionen zum internationalen Tag der Pflegenden am 12.05.2022 – Westpfalzklinikum

Die Gewerkschaft ver.di ruft am 12. Mai, dem Tag der Pflegenden, die Beschäftigten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu bundesweiten Protestaktionen auf. Die Aktionen laufen unter der Losung: „Schluss mit den Ausreden – mehr Personal!“

Die Beschäftigten aus Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Psychiatrien werden am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden, erneut auf die unzureichende Personalausstattung hinweisen und das sofortige Handeln der Politik einfordern. Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland werden Beschäftigte ihre Forderungen an die politisch Verantwortlichen deutlich sichtbar und hörbar machen.



In folgenden Betrieben in Rheinland-Pfalz sind Protestveranstaltungen geplant:

Universitätsmedizin Mainz, 12:30 Uhr, vor dem Haupteingang
SHG-Klinikum Idar-Oberstein, 12:00 Uhr, vor dem Haupteingang
Westpfalzklinikum Kusel, 12:00 Uhr, vor dem Haupteingang
Westpfalzklinikum Kaiserslautern, 12:15 Uhr, am Kräutergarten
Klinikum Worms, 12:15 Uhr, vor dem Haupteingang
BG Ludwigshafen, Fotoaktionen auf den Stationen
Städtisches Krankenhaus Pirmasens, 12:00 Uhr, vor dem Haupteingang
Auch das Bündnis Pflegeaufstand Rheinland-Pfalz plant eine bewegte und laute Protestaktion um 14:30 auf dem Mainzer Domplatz.

Auch die Geschäftsführer der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und im Saarland werden sich ab 12:15 Uhr im Weiterbildungszentrum des Westpfalzklinikums Kaiserslautern an der Aktion beteiligen und ihre Forderungen an Herrn Lauterbach kundtun.

„SPD, Grüne und FDP haben unmittelbar nach den Bundestagswahlen im vergangenen Jahr in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, die PPR 2.0* kurzfristig und für alle Krankenhäuser verbindlich einzuführen. Seit über zwei Jahren liegt der Bundesregierung das von ver.di, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat entwickelte Instrument für eine bedarfsgerechte Personalbemessung in der Krankenpflege vor. Bis dato ist dieses Versprechen noch nicht mal im Ansatz umgesetzt“, so Frank Hutmacher, Landesbezirksfachbereichsleiter für Gesundheit, soziale Dienste, Bildung & Wissenschaft.

„Seit Jahrzehnten prangern wir den bundesweiten, eklatanten Fachkräftemangel an und fordern wirksame Maßnahmen, statt hier und da ein Trostpflaster. Eine effektive politische Gegensteuerung fand bis dato weder auf Bundes- noch auf Landesebene statt. Bei den Pflegekräften kommt keine Verbesserung der Arbeitssituation an. Der Fachkräftemangel ist wissenschaftlich zu genüge belegt, ebenso die Tatsache, dass er sich –bei anhaltender Ignoranz der Politik- weiter zuspitzen wird. Allein in den nächsten zehn bis zwölf Jahren gehen 500.000 Pflegefachkräfte in Rente. Der Pflegenotstand liegt klar auf der Hand und sehr gute Lösungsansätze liegen ausgebreitet vor uns, bereit für die Umsetzung. Die Politik aber sitzt die Problematik weiter aus. Das nenne ich verantwortungslos.“ so Hutmacher weiter.

Nach einer neuen bundesweiten Studie existiert aktuell ein Potenzial von mindestens rund 300.000 zusätzlichen Vollzeit-Pflegekräften durch Rückkehr in den Pflegeberuf und Aufstockung von Stunden bei Teilzeitkräften. Die wichtigste genannte Bedingung in der repräsentativen Befragung von 12.684 Pflegefachpersonen für einen Wiedereinstieg bzw. eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit, war mehr Zeit für eine qualitativ hochwertige Pflege durch mehr Personal zu haben. Den zweiten Platz des Rankings nimmt die höhere Bezahlung und verlässliche Arbeitszeiten ein, gefolgt von mehr Wertschätzung durch Vorgesetzte und dem Wunsch nach Tarifbindung auf Platz Drei. (Quelle: Auffenberg et al, 2022: “Ich pflege wieder, wenn.” – Potenzialanalyse zur Berufsrückkehr und Arbeitszeitaufstockung von Pflegefachkräften”).

In der Altenpflege und in den Psychiatrien besteht ein nicht minder akuter Handlungsbedarf. Auch hier sind bedarfsgerechte Personalvorgaben nötig, deren Einhaltung kontrolliert und Nichteinhaltung sanktioniert werden muss. Dasselbe muss auch für sämtliche Gesundheitsberufe und medizinische Funktionsdienste gelten. Hier muss im Besonderen auch die fatale geburtshilfliche Situation durch den zunehmenden Hebammenmangel in den Kreißsälen sowie die Überlastung sämtlicher Funktionsdienste im Operations- und Anästhesiebereich, der Physiotherapeut*innen und anderer Gesundheitsberufe in den Blick genommen werden. Denn eine bedarfsgerechte Patientenversorgung bedeutet stets ein interdisziplinäres Zusammenarbeiten Hand in Hand. Dazu braucht es eine bedarfsgerechte personelle Ausstattung aller Professionen im Krankenhaus.

Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich zur Aktion eingeladen. Sie eignet sich zur Bild- und Tonberichterstattung. Vor Ort können Interviews mit Beschäftigten vermittelt werden.

*Was ist die PPR 2.0: Die PPR 2.0 ist ein Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument, das in Anlehnung an die bisherige Pflegepersonal-Regelung (PPR), gemeinsam von ver.di, dem Deutschen Pflegerat und der Deutschen Krankenhausgesellschaft entwickelt wurde. Dabei werden Patient*innen täglich in je vier Grund- und Spezialpflege-Leistungsstufen eingeteilt. Jeder Stufe ist ein Minutenwert zugeordnet. Hinzu kommen Grund- und Fallwerte als Basis. In der Summe ergibt sich so ein Zeitwert pro Patient (Pflegeminuten) anhand dessen der Pflegepersonalbedarf berechnet wird. Der zusammengefasste Zeitwert aller Patienten einer Station ergibt den Pflegepersonalbedarf der jeweiligen organisatorischen Einheit. Die PPR 2.0 ist ausschließlich für die Berechnung des Pflegepersonalbedarfs für alle bettenführenden somatischen Stationen in der Erwachsenenpflege im Krankenhaus geeignet. Ausgenommen ist hier die Intensivpflege und die pädiatrische Pflege (Kinderkrankenpflege). Für die Pflegepersonalbemessung der Intensivmedizin und der Pädiatrie soll in einem weiteren Schritt möglichst zeitnah ein Instrument entwickelt und umgesetzt werden. Dabei sollen bestehende Vorgaben, Empfehlungen und Instrumente berücksichtigt werden.

Quelle Text/Bild:
ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland
Münsterplatz 2-6
55116 Mainz

www.verdi.de

Mainz, 10.05.2022