Arbeitsvermittler des Jobcenter Stadt Kaiserslautern erhalten Schulung zum Thema Spielsucht

Weiterbildung zur Unterstützung der Kunden

Die Berater und Beraterinnen des Jobcenter Stadt Kaiserslautern wollen die Problemlagen der betreuten Menschen kennen, damit sie individuell helfen können. Doch nicht jede Einschränkung ist direkt erkennbar und die Mitarbeiter möchten die mannigfaltigen Hemmnisse sensibler erkennen. Um die Anzeichen einer Glücksspielsucht oder einer Computerspielabhängigkeit wahrzunehmen und eine entsprechende Hilfestellung leisten zu können, haben die Vertreterinnen und Vertreter des Jobcenter Stadt Kaiserslautern an einer Online-Infoveranstaltung zu dem Thema teilgenommen. Dabei wurden die Folgen einer solchen Sucht geschildert: Von einer Verschuldung, über den Verlust von Freunden und Familie, bis hin zu psychischen Problemen und Abhängigkeiten sind Spielsüchtige großen Gefahren ausgesetzt, die oft unterschätzt werden. Eine Übersicht über Hilfsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen bietet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) mit ihrem Suchthilfeverzeichnis. Der Fachverband Glücksspielsucht e.V. (FAGS), der ebenfalls Mitglied der DHS ist, bietet neben der Fachberatung auch präventive Aufklärungsarbeit an. Die Fachstelle Glücksspielsucht im Haus der Diakonie in Kaiserslautern, die ebenfalls im Sucht-verzeichnis zu finden ist, führt neben geführten Gruppen auch Elternberatungen zu den Themen Medienabhängigkeit und Spielsucht durch. Die Infoveranstaltung für die Vertreterinnen und Ver-treter des Jobcenter Stadt Kaiserslautern wurde von dem Landesverband spielfrei24 e.V. durchge-führt. Der Verband ist ein Netzwerk aus Betroffenen und würde bei Bedarf auch eine Selbsthilfegruppe in Kaiserslautern aufbauen.



Ein Betroffener aus Kaiserslautern ist B. T. Härtel. Der 57-jährige schildert im Gespräch mit zwei Kollegen des Jobcenters seine dramatischen Sucht-Erfahrungen: Mit 31 Jahren kam er erstmals mit der Konsole Super Nintendo in Kontakt und wurde sehr schnell süchtig nach Videospielen. Alles was ihn fortan interessierte, waren seine Games, die meist dem Genre der Rollenspiele zuzuord-nen waren. Das Lösen von Aufgaben und Rätseln zog ihn derart in den Bann, dass alles andere zur Nebensache wurde. Die Einrichtung der Wohnung beschränkte sich auf den Fernseher mit der Konsole, ein Bett und das Nötigste zur Zubereitung der Mahlzeiten. Essen diente rein dem Erhalt und hierauf wurde nach eigenen Angaben kein großer Wert gelegt, lenkte das Kochen doch nur vom Spielen ab. Mehrere Umzüge erfolgten, die Abkapselung von der Außenwelt geschah durch den Kontaktabbruch zur Familie und Freunden. Jegliche Störungen, akustischer wie optischer Art, wurden unterdrückt. Herr Härtel schildert, dass er meist in einer abgedunkelten Wohnung mit Ohr-stöpseln spielte, sodass er nur von dem Spiel auf dem Bildschirm erreicht wurde. Der Tag-Nacht-Rhythmus ging verloren und gesundheitliche Folgen, wie beispielsweise eine Hautkrankheit, traten auf, die Abwärtsspirale nahm ihren Lauf. Nach der Super Nintendo wechselte er zu anderen Konso-len wie Playstation, Playstation 2, Nintendo Switch und spielte zeitweise auch auf dem Handy. An eine Arbeitsaufnahme war lange Zeit nicht zu denken. Er hatte mehrere Klinikaufenthalte zur Be-kämpfung der Sucht, arbeitete zeitweise in Arbeitsgelegenheiten des Jobcenters, mit denen er sich ein wenig Geld dazu verdiente. Doch die Videospiele beherrschten immer wieder seinen Alltag. Alle wichtigen Angelegenheiten, die zu erledigen waren, nahm er pflichtbewusst wahr – Termine beim Jobcenter, den notwendigen Einkauf von Lebensmitteln, usw. – und er lebte auch stets spar-sam. Seine Videospielsucht konnte er unter anderem dadurch kostengünstig befriedigen, indem er alte Spiele in Zahlung gab um andere, zumeist gebrauchte Spiele erwerben zu können.
Es gab immer wieder ein Erwachen, aktuell ist Herr Härtel in einer spielfreien Zeit. Sein großes Ziel ist es, wieder den Kontakt zu seiner Familie zu intensivieren: Mit seiner Nichte steht er schriftlich in Kontakt und wenn er es schafft, bis Ende des Jahres spielfrei zu bleiben, möchte er auch gerne seinen Vater besuchen. Doch bis dahin – so sagt er selbst – ist es noch ein langer Weg.

Quelle Text/Bild:
Jobcenter Stadt Kaiserslautern
Guimarães-Platz 3
67655 Kaiserslautern

www.jobcenterkaiserslautern.de

Kaiserslautern, 24.09.2021