Eisenberg, 28.10.2026. Zu den Plänen der Bundesregierung zur Einführung eines teambasierten Primärversorgungssystems und vor den Hintergrund des demographischen Wandels zeigt eine erste Bestandsaufnahme des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass in rund 38 Prozent der rheinland-pfälzischen Hausarztpraxen qualifiziertes, nicht-ärztliches Praxispersonal bereits in die Patientenversorgung eingebunden ist.
„Bereits vor dem Auftakt der Gesetzgebung zur angekündigten Einführung der interprofessionellen Primärversorgung setzen 38 Prozent aller Hausarzt-praxen in Rheinland-Pfalz qualifiziertes, nicht-ärztliches Personal in der Patientenversorgung ein. Das zeigt, dass der vorgesehene Mix in der Versorgung aus Ärztinnen und Ärzten, ergänzt durch andere Berufsgruppen wie NäPA und VERAH direkt an die Versorgungsrealität anknüpft“, sagt Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse. Interprofessionelle Praxen seien, neben einer gezielten Steuerung von Patientinnen und Patienten durch das Versorgungslabyrinth, jedoch nur ein Baustein einer erfolgsversprechenden Primärversorgungsre-form.
In den letzten zehn Jahren haben beide Berufsbilder der WIdO-Studie zufolge stark an Bedeutung für die Versorgung gewonnen: Die Anzahl hausärztlicher Praxen in Rheinland-Pfalz, die mindestens eine dieser Fachkräfte beschäftigten, stieg im Beobachtungszeitraum von rund 390 Praxen im Jahr 2015 auf rund 530 Praxen im Jahr 2024 an – trotz einer insgesamt rückläufigen Anzahl an Praxen. Das entspricht einem Gesamtzuwachs von etwa 33 Prozent. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass von derzeit rund 2.800 hausärztlichen Praxen bislang 40 Prozent noch keine NäPA oder VERAH beschäftigen – hier gibt es noch Ausbaupotential.
Die Analyse des WIdO identifiziert dabei klare Muster, unter welchen Bedingungen die interprofessionelle Versorgung bereits verbreitet ist: So werden NäPA und VERAH vor allem in größeren, arbeitsteilig organisierten Praxen mit mehreren Ärztinnen und Ärzten eingesetzt. Darüber hinaus sind in Rhein-land-Pfalz NäPA und VERAH im Vergleich von ländlichen zum städtischen Raum in erstem häufiger eingesetzt (45 Prozent zu 23 Prozent). Praxen mit NäPA und VERAH versorgen der WIdO-Analyse zufolge anteilig etwas mehr chronisch kranke und pflegebedürftige Patientinnen und Patienten. Sie unterscheiden sich ansonsten im Patientenklientel jedoch nur geringfügig von Praxen ohne NäPA und VERAH.
Hintergrund:
Für die als e-Paper veröffentlichte Analyse „Interprofessionelle Teams in der hausärztlichen Versorgung. Eine Bestandsaufnahme auf Basis von Routinedaten“ wurden AOK-Abrechnungsdaten der Jahre 2015 bis 2024 ausgewertet. Analysiert wurden zwei in Deutschland etablierte berufliche Qualifizierungsmodelle, die gezielt zur Entlastung der hausärztlichen Kapazitäten beitragen können: NäPA (Nicht-ärztliche Praxisassistenten) und VERAH (Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis). Beide Qualifikationen weisen ein ähnliches Tätigkeits- und Kompetenzprofil auf und übernehmen unter anderem wichtige Aufgaben in der Betreuung chronisch Kranker. Auf Basis dieser Daten lässt sich ableiten, ob eine Praxis (wenn sie die entsprechenden Anforderungen erfüllt) eine NäPA oder VERAH beschäftigt, nicht jedoch, wie viele NäPA bzw. VERAH je Praxis tätig sind oder welche konkreten Tätigkeiten diese ausüben.
Quelle Text/Bild:
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse
Virchowstraße 30
67304 Eisenberg
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Eisenberg, 28.10.2026












