Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Herbst 2026 in einer vorsichtigen Erholungsphase. Die Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt wurde von 0,6 Prozent auf 1,3 Prozent angehoben. Die Gründe liegen vor allem in gestiegenen Exporten, einer stärkeren Produktion im verarbeitenden Gewerbe und einer robusteren Weltwirtschaft. Auch die Unternehmensstimmung hat sich verbessert: Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 84,5 Punkten im April auf 89,9 Punkte im September.
Gleichzeitig bleibt der Aufschwung anfällig. Die deutsche Inflationsrate lag im September bei 3,3 Prozent. Gestiegene Energiepreise, höhere Zinsen sowie strukturelle Probleme belasten die wirtschaftliche Entwicklung und bremsen Investitionen und Konsumausgaben.
Vor diesem Hintergrund wurden im Zeitraum vom 15. September bis 2. Oktober 2026 3.000 Mitgliedsbetriebe des pfälzischen Handwerks befragt. Die Ergebnisse der Umfrage vermitteln einen Einblick in die aktuelle Geschäftslage, Auftrags- und Umsatzentwicklung sowie die Erwartungen der Betriebe.
Aktuelle Geschäftslage
Die aktuelle Geschäftslage im pfälzischen Handwerk zeigt ein gemischtes Bild. Der Geschäftsklimaindikator des pfälzischen Handwerks liegt im Herbst 2026 bei 104 Punkten. Damit ist er gegenüber dem Herbst 2025 (98 Punkte) gestiegen, liegt jedoch unter dem Wert vom Frühjahr 2026 (108 Punkte). Im Herbst 2026 bewerten 38,6 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut und 39,2 Prozent als gleichbleibend. 22,2 Prozent berichten von einer Verschlechterung. Zusammengenommen schätzen damit 77,8 Prozent ihre Geschäftslage als gut oder unverändert ein (Herbst 2025: 79,6 %).
Zwischen den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede.
Besonders häufig melden die Ausbauhandwerke eine gute oder gleichbleibende Geschäftslage: Ihr Anteil beträgt 86,5 Prozent, nahezu unverändert gegenüber Herbst 2025 (86,4 %).
Auch im Gesundheitsgewerbe schätzen 85,7 Prozent ihre Lage als gut oder gleichbleibend ein
(Vorjahr: 88,9 %).
Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr zeigen sich bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf: Der Anteil mit guter oder gleichbleibender Geschäftslage stieg von 62,8 auf 69,4 Prozent.
Bei den personenbezogenen Dienstleistern erhöhte er sich von 70,2 auf 76,6 Prozent. Dagegen ist der Anteil im Kfz-Gewerbe von 85,3 auf 71,5 Prozent gesunken.
Besonders deutlich fällt die Verschiebung im Nahrungsmittelhandwerk aus: Dort bewerten nur noch 58,3 Prozent ihre Lage als gut oder gleichbleibend, gegenüber 91,7 Prozent im Herbst 2025.
Auch im Baugewerbe ist der Anteil derjenigen, die ihre Lage als gut oder gleichbleibend einschätzen, von 71,7 auf 68,2 Prozent zurückgegangen.
Insgesamt deuten die Ergebnisse auf eine weiterhin überwiegend stabile, aber zwischen den Gewerken zunehmend unterschiedliche Geschäftslage hin. Die Vergleichswerte für das Nahrungsmittelhandwerk und das Kfz-Gewerbe fallen besonders auf: Hier nahm der Anteil der Betriebe mit verschlechterter Lage gegenüber dem Vorjahr deutlich zu.
Preisentwicklung
Der Kostendruck auf die pfälzischen Handwerksbetriebe hat sich gegenüber dem Herbst 2025 deutlich verstärkt. Im Herbst 2026 berichten 72,8 Prozent der Betriebe von gestiegenen Einkaufspreisen (Vorjahr: 51 %). Gleichzeitig erwarten 76 Prozent künftig weiter steigende Einkaufspreise (Vorjahr: 54 %).
Die höheren Beschaffungskosten schlagen sich bislang nicht in gleichem Umfang in den Verkaufspreisen nieder: Während 72,8 Prozent der Betriebe gestiegene Einkaufspreise melden, haben nur knapp ein Drittel ihre Verkaufspreise erhöht. Bei 64,2 Prozent sind die Verkaufspreise gleich geblieben (Herbst 2025: 68,1 %). Diese Angaben sprechen für einen anhaltenden Kostendruck, der sich nur teilweise in höheren Verkaufspreisen widerspiegelt.
Besonders stark stiegen die Einkaufspreise im Baugewerbe: 84,6 Prozent der Baubetriebe meldeten höhere Kosten (Herbst 2025: 42,6 %).
Auch im Ausbaugewerbe und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf stieg der Anteil deutlich, auf 70,8 Prozent beziehungsweise 69,4 Prozent. Für die kommenden Monate erwarten alle befragten Gesundheitsbetriebe steigende Einkaufspreise (100 Prozent), auch im Nahrungsmittelhandwerk ist der Anteil mit 83,3 Prozent hoch.
Insgesamt deuten die Werte auf einen wachsenden Anteil von Betrieben hin, der unter dem zunehmenden Beschaffungskostendruck plant, die Verkaufspreise anzuheben.
Umsatzentwicklung
Die Umsatzentwicklung im pfälzischen Handwerk zeigt im Herbst 2026 eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. 20,2 Prozent der Betriebe melden gestiegene Umsätze (Vorjahr: 14,4 %). Die Hälfte der Betriebe verzeichnet gleichbleibende Umsätze. Der Anteil mit rückläufigen Umsätzen sank von 34,4 auf 29,8 Prozent.
Die Entwicklung unterscheidet sich deutlich zwischen den Gewerken.
Im Baugewerbe berichten 16,9 Prozent von Umsatzsteigerungen, während 40 Prozent sinkende Umsätze melden.
Im Vorjahresvergleich fällt die Verbesserung besonders bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf
auf: Der Anteil mit sinkenden Umsätzen ging von 56,1 auf 40,3 Prozent zurück.
Auch bei den Ausbaubetrieben und bei den personenbezogenen Dienstleistern verringerte sich dieser Anteil.
Im Gesundheitsgewerbe entwickelte sich die Lage dagegen ungünstiger: Bei 42,9 Prozent der Betriebe gingen die Umsätze zurück (Vorjahr: 33,3 %). Gleichzeitig verzeichnete in diesem Jahr kein Betrieb steigende Umsätze; im Vorjahr waren es noch 22,2 Prozent.
Die Umsatzerwartungen für die kommenden Monate bleiben gemischt. Rund 20 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Umsätzen, 53 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung und 27,2 Prozent einen Rückgang. Gegenüber Herbst 2025 (16,4 %) ist der Anteil mit positiven Erwartungen leicht gestiegen, während der Anteil mit rückläufigen Erwartungen gesunken ist (29,9 % im Vorjahr).
Besonders häufig rechnen Kfz-Betriebe mit steigenden Umsätzen (26,2 Prozent); im Bau- und Gesundheitsgewerbe sind die erwarteten Umsatzsteigerungen verhalten. Hier erwarten 9,2 Prozent steigende und 43,1 Prozent der Baubetriebe sinkende Umsätze.
Bei den Gesundheitshandwerken erwartet kein Betrieb eine Steigerung, dagegen gehen 28,6 Prozent von sinkenden Umsätzen aus.
Insgesamt deuten die Zahlen auf eine moderate Verbesserung gegenüber dem Vorjahr hin. Gleichzeitig bleiben Umsatzrückgänge in einzelnen Gewerken verbreitet, und die Erwartungen für die kommenden Monate zeigen noch keine breite Erholung.
Betriebsauslastung und Auftragslage
Die Betriebsauslastung ist gegenüber dem Herbst 2025 zurückgegangen. Insgesamt waren 62,9 Prozent der
Betriebe zu mehr als 70 Prozent ausgelastet (Vorjahr: 69 %).
Der Rückgang zeigt sich in fast allen Gewerksgruppen. Besonders deutlich ist er im Nahrungsmittelhandwerk: Dort sank der Anteil der Betriebe mit mehr als 70 Prozent Auslastung von 83,3 auf 58,3 Prozent.
Im Baugewerbe blieb die Auslastung vergleichsweise stabil. 56 Prozent der Betriebe melden einen für diese Jahreszeit durchschnittlichen Auftragsbestand (Vorjahr: 60,9 %). 34,2 Prozent beurteilen ihn als gesunken (Vorjahr: 31,3 %). Von überdurchschnittlichen Auftragsbeständen berichten 9,8 Prozent der befragten Betriebe.
Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbücher ist von 9,1 Wochen auf 8,6 Wochen gesunken. Im Vergleich zum Vorquartal berichten 17,6 Prozent der Betriebe von gestiegenen Auftragseingängen.
(Herbst 2025: 12,1 %). Der Anteil mit rückläufigen Auftragseingängen sank von 39,7 auf 35 Prozent. 47,4 Prozent melden gleichbleibende Auftragseingänge.
Die Entwicklungen unterscheiden sich zwischen den Gewerken: Im Baugewerbe sowie bei den Nahrungsmittelbetrieben gab jeweils die Hälfte der Betriebe rückläufige Auftragseingänge an. Im Gesundheitsgewerbe berichten 85,7 Prozent von gleichbleibendem Terminaufkommen und kein Betrieb von einem Anstieg.
Für die kommenden Monate erwarten 18 Prozent aller befragten Betriebe steigende Auftragsbestände (Herbst 2025: 13,6 %). 55,9 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 26,1 Prozent mit einem Rückgang. Besonders häufig rechnen Kfz- (31 Prozent) und Nahrungsmittelbetriebe (33,3 Prozent) mit steigenden Auftragsbeständen. Im Baugewerbe erwarten 40 Prozent einen Rückgang. Im Gesundheitsgewerbe erwartet kein Betrieb einen Anstieg.
Personalbestand und Investitionen
Der Personalbestand entwickelte sich insgesamt etwas günstiger als im Herbst 2025. 17 Prozent der Betriebe meldeten einen höheren Personalbestand (Vorjahr: 13,3 %). Der Anteil mit unveränderter Beschäftigtenzahl blieb mit 66,9 Prozent nahezu stabil (Vorjahr: 66,4 %). Rückgänge verzeichneten 16,1 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 19,7 %).
Nach Gewerken zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen.
Im Ausbaugewerbe stieg der Anteil der Betriebe mit wachsendem Personalbestand von 14,3 auf 20,4 Prozent. Im Nahrungsmittelhandwerk sank er dagegen von 33,3 auf 16,7 Prozent. Bei den personenbezogenen Dienstleistern meldeten 79,2 Prozent eine gleichbleibende Beschäftigtenzahl.
Für die kommenden Monate planen 76,8 Prozent der Betriebe, ihren Personalbestand konstant zu halten. 5,7 Prozent rechnen mit einem Anstieg (Vorjahr: 7,8 %), während 17,5 Prozent einen Rückgang erwarten (Vorjahr: 16,6 %). Besonders zurückhaltend sind die Erwartungen im Baugewerbe: 27,7 Prozent der Betriebe erwarten dort einen sinkenden Personalbestand.
Die Investitionstätigkeit hat sich insgesamt nur wenig verändert. 16,4 Prozent der Betriebe erhöhten ihre Investitionen (Vorjahr: 14,7 %). 44,8 Prozent hielten sie konstant; 38,8 Prozent reduzierten sie. Der Anteil
der Betriebe mit gesunkenen Investitionen lag damit nahezu auf Vorjahresniveau (38,9 %). Die Zukunftserwartungen bei den Investitionen bleiben verhalten: 45,7 Prozent der Betriebe rechnen mit sinkenden Investitionen, 45,5 Prozent mit einem gleichbleibenden Niveau und 8,8 Prozent mit einer Steigerung.
Insgesamt halten viele Betriebe ihren Personalbestand stabil, während die Beschäftigungsaussichten und vor allem die Investitionsplanungen von Zurückhaltung geprägt bleiben. Die Daten zeigen zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Gewerken: Während beispielsweise die Kfz-Betriebe häufiger von gestiegenen Investitionen berichten, planen Bau- und Zulieferbetriebe überdurchschnittlich häufig mit Kürzungen.
Zukünftige Geschäftslage
Die Erwartungen der pfälzischen Handwerksbetriebe haben sich insgesamt leicht verbessert. 17,3 Prozent der Betriebe rechnen mit einer verbesserten Geschäftslage (Vorjahr: 10,4 %). 58,4 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung (Vorjahr: 64,1 %). Der Anteil der Betriebe mit pessimistischen Erwartungen sank leicht auf 24,3 Prozent (Vorjahr: 25,5 %).
Zwischen den Gewerken zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Besonders häufig erwarten die
Nahrungsmittelbetriebe eine Verbesserung: 41,7 Prozent (Vorjahr: 25 %).
Auch im Kfz-Gewerbe stieg dieser Anteil von 11,4 Prozent auf 26,2 Prozent. Zugleich erwarten dort 21,4 Prozent eine Verschlechterung (Vorjahr: 22,9 %).
Im Baugewerbe bleibt die Zuversicht verhalten: 7,7 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, während 33,8 Prozent eine Verschlechterung erwarten (Vorjahr: 42,6 %).
Fazit
Die wirtschaftliche Lage des pfälzischen Handwerks bleibt uneinheitlich und fragil. Zwar hellen sich die Geschäftserwartungen in einzelnen Gewerken auf und viele Betriebe möchten ihren Personalbestand stabil halten. Die nachlassende Auslastung und die anhaltende Investitionszurückhaltung zeigen jedoch, dass eine breite Erholung bislang ausbleibt.
Wie sich die Lage entwickelt, hängt weiterhin stark vom jeweiligen Gewerk ab. Wann sich die prognostizierten wirtschaftlichen Wachstumsimpulse bei den Handwerksbetrieben bemerkbar machen, lässt sich derzeit allerdings noch nicht abschätzen.
„Die Ergebnisse zeigen: Das pfälzische Handwerk behauptet sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen – die Stimmung hellt sich vorsichtig auf. Mehr Betriebe rechnen mit einer besseren Geschäftslage, steigenden Umsätzen und wachsenden Auftragsbeständen als noch vor einem Jahr. Diese Signale machen Hoffnung.
Dennoch kann aber derzeit von einer einheitlichen positiven Entwicklung im Handwerk keine Rede sein. Während sich einige Gewerke stabilisieren oder wieder zuversichtlicher nach vorne blicken, stehen andere weiterhin erheblich unter Druck. Steigende Kosten, schwache Nachfrage und zurückhaltende Investitionen engen den Spielraum vieler Betriebe ein. Umso wichtiger sind wirtschaftspolitische Maßnahmen, die den unterschiedlichen Herausforderungen der Betriebe gerecht werden. Entscheidend wird sein, ob daraus in den kommenden Monaten eine nachhaltige Erholung entsteht“, erklärt Dr. Till Mischler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz.
Handwerkskammer der Pfalz
Geschäftsbereich Betriebsberatung und Gewerbeförderung / Pressestelle
09.10.2026
Dowload Grafiken und Tabelle:
Aktuelle Geschäftslage alle Branchen_Herbst 2026
Aktuelle Geschäftslage Herbst 2022 – 2026
Geschäftsklimaindikator_Herbst 2026
Umsatzentwicklung Herbst 2022 – 2026
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Quelle Text/Bild:
Handwerkskammer der Pfalz
Am Altenhof 15
67655 Kaiserslautern
www.hwk-pfalz.de
Kaiserslautern, 12.10.2026












