Opfer der NS-Krankenmorde: Zeichnungen von Franz Karl Bühler aus der Sammlung Prinzhorn im mpk

Vom 20.08.2026 bis 31.01.2027 zeigt das mpk als besondere Leihgabe aus dem Heidelberger Museum Sammlung Prinzhorn ein eindringliches Selbstportrait des Kunstschmieds Franz Karl Bühler (1864 – 1940) sowie drei weitere Zeichnungen des Künstlers. Bühler, einst mit vielversprechenden Anfängen als Kunsthandwerker, verbrachte große Teile seines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen und wurde 1940 Opfer des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms. Im Rudolf-Levy-Raum erinnert das mpk nun an sein Schicksal und würdigt zugleich die künstlerische Bedeutung seines Werks. Die Präsentation wird in Kooperation mit dem Museum Sammlung Prinzhorn realisiert, das aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens an mehreren Standorten präsent ist, unter anderem in der Kunsthalle Mannheim und im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen. Eröffnet wird die konzise Präsentation am Donnerstag, 20. August 2026, um 19 Uhr im Rahmen der Veranstaltung mpk:Positionen“, in der mpk-Direktor Steffen Egle mit Thomas Röske, Direktor des Heidelberger Museums, und Stefan Thome, Inklusionsbeauftragter des Bezirksverbands Pfalz, sowie weiteren Gästen über Begriffe, Zuschreibungen und die Bedingungen kultureller Teilhabe im Zusammenhang mit der Kunst von Menschen mit Psychiatrieerfahrung spricht.

Art Brut, Outsider Art oder Kunst neurodivergenter Künstlerinnen und Künstler: Die wechselnden Bezeichnungen spiegeln den Versuch, originelle Werke zu fassen, die außerhalb etablierter Ausbildungswege und Institutionen entstanden sind. Zugleich zeigen sie, wie eng kunsthistorische Anerkennung mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Normalität und Autorschaft verbunden ist. Das Gespräch aus Anlass einer neuen Präsentation von Zeichnungen Franz Karl Bühlers, der einen Großteil seines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen verbrachte, fragt danach, welche Perspektiven diese Begriffe eröffnen – und wo sie neue Abgrenzungen schaffen. Und wie die Bedingungen für Betroffene heute sind, am Kunstbetrieb zu partizipieren.

Anlass für Präsentation und Ausstellung ist ein wichtiges Jubiläum der Sammlung Prinzhorn: 2026 feiert das Museum Sammlung Prinzhorn am Universitätsklinikum Heidelberg sein 25-jähriges Bestehen. Seit einem Vierteljahrhundert macht das Museum Werke, die im Kontext psychiatrischer Einrichtungen entstanden sind, in wechselnden Ausstellungen öffentlich zugänglich. Damit hat es maßgeblich dazu beigetragen, ihre kulturgeschichtliche Bedeutung sichtbar zu machen und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu stärken.
Im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten veranstaltet das Museum die Reihe „Die Sammlung Prinzhorn zu Gast“: Für das mpk die Gelegenheit, erstmals Werke aus der weltweit einzigartigen Sammlung zu zeigen. Vom 20. August 2026 bis 31. Januar 2027 sind im Rudolf-Levi-Erinnerungsraum ein eindringliches Selbstporträt und drei weitere Zeichnungen des Kunstschmieds Franz Karl Bühler (1864–1940) zu sehen.
Bühler hatte sich zunächst als Kunstschmied einen Namen gemacht. Auf der Weltausstellung in Chicago 1893 wurde eine von ihm entworfene Toranlage mit einer Medaille ausgezeichnet; im selben Jahr trat er eine Dozentur für Kunstschlosserei an der Kunsthandwerkerschule in Straßburg an. Seine kompromisslosen Kunstvorstellungen führten jedoch zu Konflikten. Ende 1896 wurde ihm wegen „Unzuverlässigkeit“ und „eigenmächtigen Handelns“ gekündigt. In der Folge litt Bühler zunehmend unter Verfolgungsängsten und wurde 1898 zunächst in die Schweizer Anstalt Breitenau, später in die Illenau und 1900 in die Anstalt Emmendingen eingewiesen.

Aus den Jahren zwischen 1900 und 1920 sind vor allem Bühlers umfangreiche Texte und Kreidezeichnungen überliefert, darunter zahlreiche Selbstporträts. Als Hans Prinzhorn ihn 1920 in der Anstalt besuchte, war er von dessen Arbeiten tief beeindruckt. Über Bühlers letzte zwanzig Lebensjahre ist nur wenig bekannt. Im März 1940 wurde sein Name auf einer Transportliste von Emmendingen in die nationalsozialistische Tötungsanstalt Grafeneck verzeichnet. Dort wurde er im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ ermordet.
Mit der Präsentation erinnert das mpk explizit auch an dieses bedrückende Schicksal Bühlers als Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. Mit dem Projekt entwickelt das mpk den Erinnerungsraum für Rudolf-Levy weiter, der seit der Neueinrichtung der Sammlung zum festen Bestandteil des Rundgangs gehört: Künftig soll – neben Rudolf Levy, der 1944 von den Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde – an weitere Künstlerinnen und Künstler erinnert werden, die Repressionen oder den Tod durch das NS-Regimes erleiden mussten. Das mpk leistet damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur in der Pfalz und in Rheinlandpfalz.

Termin: Donnerstag, 20. August 2026, 19 Uhr;
Eintritt: ohne Anmeldung, kostenfrei!
Ort: mpk, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Reihe: mpk:Positionen
Pressetermine vorab auf Anfrage.

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Quelle Text/Bild:
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautren
Museumsplatz 1
67657 Kaiserslautern
www.mpk.de

Kaiserslautern, 05.08.2026