Mit der Sonderausstellung „Konkrete Spiele” (17.7.26 – 20.9.26) zeigt das mpk, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, zwei herausragende Positionen der ungegenständlichen Zeichnung. Arbeiten von Klaus Staudt und Christiane Schlosser verdeutlichen, wie unterschiedlich die Linie als künstlerisches Ausdrucksmittel eingesetzt werden kann – zwischen konstruktiver Präzision und intuitiver Freiheit. Die Schau zeigt insgesamt rund 70 Werke, sowohl aus dem eigenen Sammlungsbestand als auch aus Privatbesitz, ergänzt durch ausgewählte Druckgrafiken und Reliefs von Klaus Staudt. Mit der Ausstellung widmet das mpk einem seiner zentralen Sammlungsschwerpunkte erneut besondere Aufmerksamkeit.
Die Kraft der Linie in der Kunst der Gegenwart
Klaus Staudt, der in diesem Jahr seinen 94. Geburtstag feiert, zählt seit mehr als einem halben Jahrhundert zu den prägenden Akteuren der konkreten und konstruktivistischen Kunst, also einer Kunst, die ihre Wurzeln in der Auseinandersetzung mit ungegenständlichen geometrischen Formen und Mustern hat. Wie in seinen Reliefs und Druckgrafiken erforscht Staudt, der zwischen 1974 und 1994 als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main wirkte, auch in seinen Zeichnungen die Aspekte von Rhythmus, Serialität, Raum und Bewegung, immer in höchster Genauigkeit mit Lineal und Winkelmaß gezeichnet. Dazu der Künstler: „Aufgrund des Rasters in meinen Zeichnungen sind spontane und spielerische Momente ausgeschlossen. Alle Zeichnungen sind konzeptionell aufgebaut.“
Auch Christiane Schlosser (geb. 1960) beherrscht die Linie meisterhaft, zeichnet ihre ungegenständlichen Kompositionen aber stets freihändig. Mal sind es winzige Striche, aus der sie in strenger Folge filigrane Muster erschafft, dann wieder unzählige nebeneinander gesetzte Punkte oder Kringel, die sich, aus der Ferne betrachtet, zu einem grauen Rauschen auflösen. „Die Wiederholung“, so Schlosser, „relativiert, sie nimmt dem Einzelnen das Besondere. Das Einzelne ordnet sich unter das Ganze, die Gemeinschaft, die Funktion. Es ergibt sich ein Rhythmus, wie Ein- und Ausatmen, Herzschlagen – ein Klang, etwas Neues, was das Einzelne nicht kann.“
Besonders beeindruckend sind Schlossers monumentale Bildkompositionen, die aus vielen nebeneinander hängenden Einzelblättern bestehen. In leuchtendem Orange und Blau erweitert die 1994 mit dem Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis ausgezeichnete Künstlerin die geometrische Kunst des 21. Jahrhunderts um Aspekte wie Intuition und Spontanität. Während ihre Arbeiten bewusste Störungen geometrischer Regelmäßigkeiten zulassen, richtet Klaus Staudt seinen Fokus auf die konsequente Erforschung festgelegter Systeme und Ordnungen.
Die Sonderausstellung vereint damit zwei Positionen, in der sich die grafische Freiheit der Linie und die traditionelle Strenge der geometrischen Kunst spannungsvoll und dialogisch begegnen.
Zur Eröffnung am Donnerstag, 16. Juli 2026, 19:00 Uhr, sprechen Steffen Egle, Direktor des mpk, Britta E. Buhlmann, ehemalige Direktorin des mpk, sowie Sören Fischer, Leiter der Graphischen Sammlung und Kurator der Ausstellung, über die Konkrete Kunst, das mpk und die Freiheit der gezeichneten Linie.

Quelle Text/Bild:
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautren
Museumsplatz 1
67657 Kaiserslautern
www.mpk.de
Kaiserslautern, 01.07.2026












