Gibt es in Kaiserslautern viele Saatkrähen?
Saatkrähen brüten seit mehreren Jahren in der Kaiserslauterer Innenstadt. Die Stadtverwaltung beobachtet die Entwicklung der Kolonien seit 2021 im Rahmen eines regelmäßigen Monitorings. Seit 2024 werden die Ergebnisse zusätzlich über das bundesweite Programm „Monitoring seltener Brutvögel“ zur Verfügung gestellt.
Die Zahl der Nester schwankt seit Beginn der Erhebungen zwischen 85 und 139 Nestern. 2026 wurden 118 Nester gezählt. Ein eindeutiger Entwicklungstrend ist derzeit nicht erkennbar. Die Kolonien verlagern sich teilweise innerhalb des Stadtgebiets, bleiben aber überwiegend im Bereich der bekannten Innenstadtstandorte.
Nach Einschätzung der Fachbehörden liegt die Koloniegröße in Kaiserslautern deutlich unter der anderer Städte in Rheinland-Pfalz. Städte wie Worms, Zweibrücken oder Schornsheim verzeichneten im Jahr 2025 jeweils mehr als 1.000 Nester und damit ein Vielfaches der Lautrer Bestände (2025: 115 Nester).
Warum siedeln sich Saatkrähen gerade in Städten an?
Saatkrähen bevorzugen große, hohe Bäume in geschützten Bereichen. Besonders attraktiv sind laut wissenschaftlichen Untersuchungen Platanen, Robinien und Ahornbäume. Städte bieten außerdem vergleichsweise wenig natürliche Feinde und gute Bedingungen für die Brut. Die Stadt steht zur Entwicklung der Kolonie seit Jahren im Austausch mit der Oberen Naturschutzbehörde der SGD Süd sowie der Staatlichen Vogelschutzwarte Rheinland-Pfalz.
Welche Probleme entstehen durch die Saatkrähen?
Konflikte entstehen vor allem während der Brutzeit (ca. Februar bis Juni) durch Lärm sowie Verschmutzungen von Gehwegen, Fahrzeugen, Balkonen oder Sitzgelegenheiten. Die Stadt erhält hierzu regelmäßig vereinzelte Beschwerden der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es auch Bürgerinnen und Bürger, die sich ausdrücklich für den Schutz der Tiere und gegen Eingriffe in die Kolonien aussprechen.
Kann die Stadt die Saatkrähen vertreiben oder umsiedeln?
Saatkrähenkolonien zu vertreiben ist kaum möglich. Erfahrungen aus vielen Kommunen sowie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es keine zuverlässige Methode zur kontrollierten Umsiedlung oder dauerhaften Vergrämung (=Vertreibung) von Saatkrähenkolonien gibt. Zudem sind die Handlungsmöglichkeiten der Stadt sehr eingeschränkt. Saatkrähen sind wildlebende Tiere und stehen unter besonderem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Es ist grundsätzlich verboten, die Tiere zu stören oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Die Nester sind auch geschützt, wenn sie unbesetzt sind oder die Brutzeit vorbei ist.
Welche Maßnahmen wurden andernorts ausprobiert?
Viele Kommunen haben bereits unterschiedliche Maßnahmen getestet. Die Ergebnisse zeigen jedoch häufig nur geringe oder gar keine nachhaltige Wirkung, verursachen viel Aufwand und teilweise hohe jährliche Kosten
Nicht erfolgreich waren unter anderem:
· Eientnahme oder Eiertausch
· großflächige Nestentfernungen
· Baumrückschnitte
· Vergrämung ganzer Kolonien
· Abdecken von Bäumen mit Netzen
Oft führten Gegenmaßnahmen dazu, dass sich die Kolonien anschließend aufteilten und neue sogenannte Splitterkolonien an anderen, möglicherweise noch sensibleren, Standorten entstanden sind. Auch der Einsatz von Falknern ist im Ergebnis ungewiss und außerdem sehr teuer und aufwändig
Gibt es überhaupt Möglichkeiten zum Eingreifen?
Die Entnahme einzelner, im Bau befindlicher Nester außerhalb bisheriger Koloniestandorte kann eine Möglichkeit sein, an besonders sensiblen Baumstandorten die Ansiedlung der Saatkrähe zu verhindern. Auch hierbei entsteht ein erheblicher Aufwand über mehrere Wochen. In begründeten Einzelfällen kann die Stadt für weitere Maßnahmen bei der Oberen Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung nach § 45 Bundesnaturschutzgesetz beantragen. Voraussetzung ist unter anderem der Nachweis eines überwiegenden öffentlichen Interesses oder einer besonderen Unzumutbarkeit.
Solche Maßnahmen müssen jedoch sorgfältig abgewogen werden. Aufwand, Kosten und Risiken liegen dabei vollständig bei der Stadt. Zudem bleibt der Erfolg aller Maßnahmen, wie oben beschrieben, ungewiss. Manche Vertreibungsmaßnahmen haben das Problem sogar verschlimmert. Gegen die Verschmutzungen sind Schutzmaßnahmen besser geeignet als Vertreibungsmaßnahmen.
Was ist am Union-Kino geplant?
Im Bereich der Platane am Union-Kino, wo die dortige Rundbank durch die Krähen kaum noch benutzbar ist, wird noch in dieser Woche eine sogenannte „Baumwindel“ installiert – Auffangtücher, die Verschmutzungen auffangen und gleichzeitig als Sonnen- und Regenschutz dienen können.
Die Maßnahme kommt ohne Baumrückschnitt aus und soll helfen, die Aufenthaltsqualität im Bereich der Sitzbänke zu verbessern.
Werden die Saatkrähen weiterhin überwacht?
Ja. Die Staatliche Vogelschutzwarte empfiehlt ausdrücklich die Fortsetzung des Monitorings. Die jährlichen Erhebungen finden in der Regel zwischen Ende März und Mitte April statt. Zusätzlich soll künftig verstärkt beobachtet werden, ob sich neue Koloniestandorte außerhalb der bisherigen Bereiche bilden.
Was geschieht bei verletzten oder toten Tieren?
Kürzlich wurden in der Innenstadt mehrere tote Jungvögel gefunden. Nach Einschätzung eines hinzugezogenen Ornithologen handelte es sich vermutlich um noch nicht flugfähige Tiere, die aus den Nestern gefallen sind oder von Geschwistern aus Konkurrenz aus dem Nest gestoßen wurden. Solche Ereignisse können in Vogelkolonien gelegentlich vorkommen. Auch aus anderen Städten sind solche Vorkommnisse bekannt. Da bislang keine Hinweise auf eine größere Gefährdung oder Vergiftung vorliegen, besteht derzeit kein weiterer Untersuchungsbedarf. Die Stadtverwaltung beobachtet die Lage jedoch weiterhin aufmerksam und hat die zuständigen Fachbehörden informiert
Welche Empfehlungen gibt es langfristig?
Die Fachstellen empfehlen unter anderem:
· Fortführung des Monitorings
· Vermeidung sensibler Brutstandorte
· Berücksichtigung der Thematik bei Neupflanzungen von Bäumen
· keine Pflanzung besonders attraktiver Baumarten wie Platanen oder Ahorn in sensiblen Bereichen wie z. B. Seniorenheimen, Schulen oder Kindergärten
· Pflanzung und Erhalt geeigneter Brutbäume im Außenbereich
· Information und Aufklärung der Bevölkerung
Eine vollständige Vertreibung der Saatkrähen ist nicht realistisch, so dass man sich ein Stück weit mit ihnen arrangieren muss. Für Konflikte an besonders sensiblen Standorten können durch Schutzmaßnahmen Verbesserungen herbeigeführt werden. Hier geht die Stadt an der Platane am Union-Kino mit gutem Beispiel voran.
Ziel bleibt ein sachlicher und ausgewogener Umgang mit der Situation unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen anderer Kommunen.
—–
Quelle Text/Bild:
Pressestelle der Stadtverwaltung Kaiserslautern
Willy-Brandt-Platz 1, 67657 Kaiserslautern
www.kaiserslautern.de
Kaiserslautern, 02.06.2026
#kaiserslautern #kaiserslauterngermany #Lautern #nachrichtenkl #Stadtverwaltungkl #StadtverwaltungKaiserslautern #pfalz #westpfalz #stadtkl












