Milchdrinks mit Bakterienkulturen und Vitaminen versetzt, in kleinen Fläschchen abgefüllt und mit Gesundheitsversprechen beworben. Aussagen wie „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ oder „unterstützt die normale Funktion von Verdauungsenzymen“ erwecken den Eindruck eines gesunden Starts in den Tag. In einer Stichprobe der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wurden 16 dieser Milchdrinks auf Werbeversprechen, Zusatz von Nährstoffen und Zuckergehalt geprüft.
Milchdrinks mit Nährstoffzusatz und gesundheitsbezogenen Aussagen
Die ehemals als „probiotisch“ bezeichneten Drinks werden mittlerweile durch den Zusatz von Nährstoffen wie Vitamin B6 oder Vitamin D als gesundheitsförderlich beworben. So enthalten neun der 16 getesteten Produkte zugesetzte Vitamine oder Mineralstoffe. Besonders häufig wurden Vitamin B6 und Vitamin D zugesetzt sowie Vitamin C. Der Begriff „probiotisch“ und die damit verbundenen Aussagen, dass das Lebensmittel Vorteile für die Verdauung bringt, konnte nicht ausreichend durch Studien belegt werden. Deshalb sind in Deutschland keine der gesundheitsbezogenen Aussagen zu Bakterienkulturen in Lebensmitteln erlaubt. Um dennoch gesundheitsbezogene Aussagen verwenden zu dürfen, werden den Produkten bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in den erforderlichen Mindestmengen zugesetzt. So darf beispielsweise durch den Zusatz von Vitamin B6 oder Vitamin D mit der Aussage „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ geworben werden. Die gesundheitsbezogene Aussage bezieht sich nur auf den Nährstoff in der erforderlichen Mindestmenge.
Durch die Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen kann allerdings leicht ein gesundes Image für das gesamte Produkt entstehen. So auch für Produkte, die zusätzlich Zucker enthalten.
Auffällig war die Werbung mit „erhöht die guten Bakterien im Darm“ in Zusammenhang mit „enthält 20 Milliarden L. casei Shirota Bakterien“ auf zwei Produkten. Nach unserer Auffassung verstößt diese gesundheitsbezogene Werbung gegen die Health-Claims-Verordnung. Deshalb haben wir das Unternehmen aufgefordert, diese Aussagen künftig zu unterlassen. Bislang konnte keine Einigung erzielt werden.
Zugesetzter Zucker in Milchdrinks
Bei knapp der Hälfte der Produkte gehört Zucker zu den hauptsächlichen Zutaten. Aufschluss hierüber gibt vor allem die Zutatenliste. Denn der angegebene Zuckergehalt in der Nährwerttabelle enthält auch den natürlich vorkommenden Milchzucker Laktose. Steht Zucker allerdings weit vorne in der Zutatenliste, ist auch viel davon im Produkt enthalten. Eines der in der Stichprobe untersuchten Produkte richtet sich in seiner Aufmachung an Kinder. Mit einem Fläschchen hat ein Kind schon knapp ein Drittel der maximal empfohlenen Tagesmenge an Zucker aufgenommen.
Naturbelassene Sauermilchprodukte bevorzugen
Sauermilchprodukte wie Joghurt und Kefir liefern natürlicherweise viele wertvolle Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin B2, Vitamin B12, Jod und Calcium. Sie sind Teil einer ausgewogenen Ernährung, die eine gute Grundlage für ein gesundes Immunsystem und eine gute Verdauungsfunktion darstellt. Dazu braucht es keine speziellen Bakterienkulturen und zugesetzte Nährstoffe. Der Produktvergleich anhand der Zutatenliste und Nährwerttabelle lohnt sich, um Produkte ohne Zusätze und viel Zucker zu finden.
Zu den vollständigen Ergebnissen der Stichprobe.
Quelle Text/Bild:
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.
Seppel-Glückert-Passage 10
55116 Mainz
www.verbraucherzentrale-rlp.de
Mainz, 26.10.2026
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