Am Montag, 05. Oktober 2026, wurde der Abschluss des ersten Bauabschnitts zum Substanzerhalt der historischen Stadtmauer am Wadgasserhof bei einer kleinen Zusammenkunft gewürdigt. Etwa zwei Monate lang hatten umfassende Sanierungsarbeiten an dem historisch wertvollen Gemäuer auf der Südseite des Wadgasserhofs stattgefunden, um einer akut drohenden Einsturzgefahr entgegenzuwirken und gravierende Schäden zu beheben. Der zweite Bauabschnitt zum Erhalt des insgesamt 47 Meter langen Gemäuers wird im Frühjahr 2027 auf der Nordseite des Wadgasserhofs beginnen.
„Dass wir passend zu unserem 750-jährigen Jubiläum der Stadtrechteverleihung ein bauliches Relikt aus etwa dieser Zeit revitalisieren konnten, macht dieses Projekt zu etwas ganz Besonderem“, freute sich Baudezernent Manuel Steinbrenner bei der kleinen Feierstunde auf dem Vorplatz des Wadgasserhofs. Die historische Stadtmauer, die vermutlich zwischen 1295 und 1330 errichtet wurde, begrenzt diesen Vorplatz in Richtung Osten, beginnt an der Steinstraße, verläuft durch die östliche Außenwand des Wadgasserhofs und endet an der Ludwigstraße. Der sichtbare Teil der Mauer von der Steinstraße bis zum Gebäude erstrahlt nun in neuem Glanz.
„Die Natur und die Witterung hatten sich die Stadtmauer, die ein eindrucksvolles Zeugnis der vergangenen Jahrhunderte ist, zu eigen gemacht“, verwies Steinbrenner auf den Grund der nun notwendig gewordenen Arbeiten. Eine der Wurzeln, die in die Mauer eingewachsen war, hängt nun zur Veranschaulichung in dem danebenstehenden Kastanienbaum. „Dass die Mauer all die Jahrhunderte überdauert hat, zeigt, wie stabil damals gebaut wurde. Zuletzt war sie jedoch extrem einsturzgefährdet und benötigte unsere Hilfe“, so der Baudezernent.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde daher der Beschluss gefasst, die Substanz der historischen Stadtmauer zu erhalten und ihre Standfestigkeit wiederherzustellen. Das Referat Gebäudewirtschaft beauftragte das Ingenieurbüro Meckler+Partner mit der Planung. Das Team ließ neben der Bestandsaufnahme auch historische Recherchen in die Planung miteinfließen und arbeitete eng mit der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Referat Stadtentwicklung zusammen. Mit den ausführenden Arbeiten begann die Ingenieure Keller Bau GmbH Ende Juli 2026. Minimale Restarbeiten werden in den nächsten Tagen abgeschlossen sein.
Große Teile des fertig sanierten Abschnitts waren noch erhalten. Der relativ gut erhaltene Zustand auf der östlichen Mauerseite war vermutlich der Konservierung durch die direkt angrenzende Nachbarbebauung zu verdanken, die mittlerweile abgerissen ist. Auf dem Grundstück entsteht derzeit ein Neubau, weshalb die östliche Seite der historischen Stadtmauer auch zukünftig auf einer Länge von etwa 13 Metern nicht sichtbar sein wird.
Die Westseite des nun sanierten Mauerteils wies erhebliche Schäden auf. Der neuzeitlichere Betonsturz war verwittert, die Stahlträger sowie die Bewehrungseisen waren stark korrodiert und das linke Mauerauflager drohte zu versagen. Niederschlag konnte aufgrund der gerissenen Mauerkrone in das darunterliegende Mauerwerk eindringen und so weitere Schäden verursachen. Insgesamt war die Konstruktion stark einsturzgefährdet. Die teils schwarz verfärbten Mauersteine zeugten von der Witterung, der sie jahrhundertelang ausgesetzt waren.
Im Rahmen der Sanierung wurde die Mauer nun mittels einer verankerten Schutzkrone stabilisiert, die auch das Eindringen von Wasser vermeidet. Die Wandflächen wurden mit Kalkmörtel verfugt und die Sichtflächen unter Begleitung des Instituts für Steinkonservierung schonend gereinigt. Die Mauerschale wurde sorgfältig abgenommen, nach Befund wiederhergestellt und mit Ankern an das gesunde Kernmauerwerk angehängt. Auch verdeckte Verpressanker wurden gesetzt, um eine statisch-konstruktive Verbindung herzustellen. Der Betonsturz, der vermutlich in der Zeit zwischen den Weltkriegen hergestellt wurde, wurde abgebrochen und der ursprüngliche Zustand mit einem werksteingerechten Stützbogen wiederhergestellt. Dabei wurde der Referenzstein, in dem ursprünglich die Torangel verankert war, erhalten und konserviert.
„Stadtgeschichte wird hier hautnah aus der Praxis präsentiert“, freute sich Klaus Meckler vom Ingenieurbüro Meckler+Partner. Er dankte für die sehr gute Zusammenarbeit und die fachkundige Umsetzung. Dabei galt der Dank auch dem Nachbarn, mit dem die Maßnahme abgestimmt wurde. Auch Manuel Steinbrenner dankte allen Beteiligten für das Engagement: „Wir haben hier eine vorbildlich durchgeführte Maßnahme. Der Prozess von der Entscheidung zur Sanierung bis zur Fertigstellung ging raketenschnell. Das ganze Team hat zielgerichtet daran mitgewirkt, dass unsere Stadtgeschichte auch weiterhin sichtbar bleibt.“
Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Stadtmauer auf der Nordseite des Wadgasserhofs bis zur Ludwigstraße soll im kommenden Frühjahr beginnen. Denn für die Verarbeitung des Fugenmaterials wird eine konstante Temperatur von über 5 Grad Celsius benötigt. Die Sanierung der historischen Stadtmauer im Bereich des Wadgasserhofs wird voraussichtlich insgesamt etwa 350.000 Euro kosten. Die Gesamtkosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf rund 145.000 Euro.
Die historische Kaiserslauterer Stadtmauer
Das mittelalterliche Stadtbild Kaiserslauterns war von der Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen geprägt. Nach Erhalt der Stadtrechte im Jahr 1276 sollte das Stadtgebiet von einer Befestigung umgeben sein. Der Bau verzögerte sich damals jedoch, vermutlich auch wegen finanzieller Nöte, und fand vermutlich in den Jahren von 1295 bis 1330 statt. Sichtbare Überreste der historischen Stadtmauer befinden sich noch am Wadgasserhof, im Grünen Graben, beim Pfalztheater und an der Martinskirche.
Beim Wadgasserhof grenzte die Stadtmauer ursprünglich an ein Stadttor im Bereich der heutigen Steinstraße und verlief anschließend weiter nach Süden. Beim Bau des Wadgasserhofs wurde die Stadtmauer in die östliche Außenwand integriert.
Im Jahr 1619 gelangte der Wadgasserhof in den Besitz des Pfalzgrafen Ludwig Phillip von Pfalz-Lautern. Seine Witwe Maria Eleonore machte das Anwesen samt Garten zu ihrem Sommerwohnsitz. Die Gräfin ließ im nun sanierten, südlichen Teil der Mauer sowohl einen kleinen Durchgang zu ihrem Garten als auch einen größeren Durchgang zur Ein- und Ausfahrt herrichten. Dass die Tore nachträglich eingefügt wurden, konnte während der Sanierungsarbeiten bestätigt werden.
In jüngerer Zeit wurde die Tordurchfahrt mit Ziegelsteinen zugemauert und vermutlich zwischen den Weltkriegen mit bewehrtem Beton überdeckt. Am heutigen Mauerende an der Steinstraße wurde die Kante nach Abbruch des Stadttors so vermauert, dass sie gerade abschließt. An diesem Ende wurde zudem eine Mauerblende von wenigen Metern vor der ursprünglichen Stadtmauer errichtet. Durch den heute deutlich erkennbaren Spalt ist die ursprüngliche westliche Außenwand der Stadtmauer noch zu sehen. Der Spalt wurde nun oben verschlossen, damit die Witterung die originalen Mauersteine im Inneren nicht weiter angreift.


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Quelle Text/Bild:
Pressestelle der Stadtverwaltung Kaiserslautern
Willy-Brandt-Platz 1, 67657 Kaiserslautern
www.kaiserslautern.de
Kaiserslautern, 08.10.2026
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