Familien tragen die Folgen einer vermeidbaren Entscheidung

Der Brandbrief betroffener Eltern zur Ferienbetreuung bestätigt, wovor die SPD-Stadtratsfraktion im März gewarnt hat. Ihr Vorschlag für eine sozialverträgliche Übergangslösung fand damals keine Mehrheit.

Eltern haben sich mit einem Brandbrief an die Stadt gewandt, weil sie die Kosten der städtischen Ferienbetreuung nicht mehr tragen können. Für die SPD-Stadtratsfraktion kommt diese Sorge nicht überraschend. Ab dem kommenden Schuljahr verdreifachen sich die Beiträge an der Theodor-Heuss-Grundschule und der Pestalozzischule. Statt zehn Euro werden 30 Euro pro Tag fällig, aus 50 Euro pro Woche werden 150 Euro. Drei Wochen Sommerferien kosten damit 450 Euro, die Herbstferien 300 Euro. Buchbar sind ausschließlich ganze Wochen. Wer weniger Betreuung braucht, zahlt trotzdem den vollen Preis.
Betroffen sind die Familien, die auf verlässliche Betreuung angewiesen sind, weil beide Eltern arbeiten oder weil sie allein erziehen. Eine Pflegekraft im Schichtdienst kann die Ferien nicht freinehmen. Ein Handwerksbetrieb schließt nicht für sechs Wochen. Die Ferienangebote von Vereinen und Verbänden sind wertvoll, decken aber weder den ganzen Tag noch alle Ferienwochen ab, und manche sind bereits Monate im Voraus ausgebucht. Hinzu kommt, dass auch die Nachmittagsbetreuung teurer geworden ist. Für viele Haushalte summiert sich das zu einem Betrag, der die Ferienplanung zur Rechenaufgabe macht.
Im Jugendhilfeausschuss hatte die SPD-Fraktion im März einen anderen Weg vorgeschlagen. Moritz Behncke beantragte für die Fraktion einen Übergangsbeitrag von 75 Euro pro Woche und eine Anpassung erst dann, wenn feststeht, welche Landesmittel tatsächlich fließen. Der Antrag fand keine Mehrheit. CDU, AfD und Freie Wähler stimmten für den Vorschlag der Beigeordneten Anja Pfeiffer (CDU) und damit für die volle Erhöhung um rund 200 Prozent.

„Wir haben im März einen Übergangsbeitrag von 75 Euro vorgeschlagen, damit Familien Planungssicherheit haben, bis die Finanzierung geklärt ist“, sagt Moritz Behncke. „Was Eltern jetzt beschreiben, ist keine Überraschung. Es ist genau das, wovor wir damals gewarnt haben. Beiträge in dieser Höhe zu beschließen, bevor klar ist, welche Mittel vom Land kommen, war der falsche Weg.“

„Eine Stadt, die sich kinder- und familienfreundlich nennt, muss sich daran messen lassen, ob Familien ihre Angebote auch bezahlen können“, sagt Patrick Schäfer, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. „Ferienbetreuung ist keine Komfortleistung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Eltern arbeiten gehen können. Wenn sie zum Kostenrisiko wird, trifft das genau die Menschen, auf die unsere Stadt angewiesen ist.“ Für die Fraktion, die weiterhin für eine Staffelung und für eine erneute Bewertung der Beiträge nach Klärung der Landesmittel wirbt, ist die Rechnung am Ende einfach: Wer bei der Ferienbetreuung spart, verlagert die Kosten nur. Kinder, die wochenlang unbetreut bleiben, verlieren Struktur, Sprachförderung und Anschluss. Eltern reduzieren Arbeitszeit oder geben Stellen auf, die in Kaiserslautern ohnehin schwer zu besetzen sind. Was heute eingespart wird, kommt später teurer zurück.

Die SPD-Stadtratsfraktion bleibt an dem Thema und wird beobachten, wie sich die Anmeldezahlen ab den Herbstferien entwickeln.



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Kaiserslautern: 16.07.2026