Gründächer helfen Kommunen dabei klimaresilienter zu werden

Neues Gründachkataster zeigt: Fast zwei Drittel der Dächer in Rheinland-Pfalz eignen sich für Begrünung

Kann mein Dach einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung leisten? Das neue Gründachkataster im Energieatlas Rheinland-Pfalz beantwortet diese Frage mit wenigen Klicks. Es zeigt Hausbesitzern, ob sich ihr Gebäude grundsätzlich für eine Dachbegrünung eignet und welche Einsparungen möglich sind. Auch wird das Potenzial im Land sichtbar: Rund 64 Prozent aller Gebäude verfügen über geeignete Dachflächen.

185 Millionen Quadratmeter Gründachpotenzial

Die landesweite Auswertung weist ein Gründachpotenzial von rund 185 Millionen Quadratmetern aus. Das entspricht rund 26.000 Fußballfeldern. Susan Fangerow, Referatsleiterin Klimaschutzmonitoring bei der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, sagt: „Viele geeignete Dachflächen bleiben bislang ungenutzt, oft, weil Eigentümerinnen und Eigentümern eine verlässliche erste Einschätzung fehlt. Das Gründachkataster schließt diese Informationslücke und macht den Einstieg in das Thema Dachbegrünung deutlich einfacher. So kann es dazu beitragen, dass das große Potenzial begrünter Dächer in Rheinland-Pfalz Schritt für Schritt besser genutzt wird. Das nützt den Eigentümerinnen und Eigentümern ebenso wie den Städten und Gemeinden.“

Klimaanpassung beginnt auf dem Dach

Hitze und Starkregen gehören inzwischen zum Alltag vieler Städte und Gemeinden. Gründächer sind eine wirksame Maßnahme der Klimaanpassung: Sie erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Siedlungen. Jeder begrünte Quadratmeter trägt dazu bei, Städte lebenswerter zu machen. Dr. Tilmann Sauer vom Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen, erklärt: „Gründächer bieten zahlreiche Vorteile für Mensch, Umwelt und Gebäude. Sie heizen sich im Sommer deutlich weniger auf als herkömmliche Dächer, verbessern das Mikroklima und können den Kühlbedarf von Gebäuden senken. Gleichzeitig speichern sie Niederschlagswasser, entlasten bei Starkregen die Kanalisation und schaffen Lebensräume für Insekten – besonders, wenn sie als so genannte Biodiversitätsdächer naturnah ausgeführt werden.“

Zuschüsse erleichtern die Umsetzung

Einige Kommunen in Rheinland-Pfalz wie beispielsweise Koblenz haben bereits ein eigenes Gründachkataster eingerichtet, vor allem als Instrument der Klimaanpassung, Stadtplanung und Bürgerinformation. Das Gründachkataster im Energieatlas Rheinland-Pfalz soll eine flächendeckende, landesweit einheitliche Informationsgrundlage schaffen, mit der das Potenzial für Dachbegrünungen auf Gebäuden transparent dargestellt wird.

Auch wirtschaftlich kann sich eine Dachbegrünung lohnen: Sie schützt die Dachabdichtung, verlängert deren Lebensdauer und kann Niederschlagswassergebühren senken. Viele Kommunen wie beispielsweise Kaiserslautern, Neustadt an der Weinstraße und der Landkreis Mayen-Koblenz fördern die Umsetzung bereits mit Zuschüssen, unter anderem mit Mitteln aus dem Kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI).

Das Gründachkataster im Energieatlas Rheinland-Pfalz liefert eine fundierte Grundlage für erste Planungsschritte, ersetzt jedoch keine statische Prüfung vor Ort. Ergänzend steht auch das Solarkataster zur Verfügung. So können Eigentümerinnen und Eigentümer prüfen, ob sich ihr Dach für eine Begrünung, Photovoltaik oder Solarthermie eignet. Auch eine Kombination dieser Lösungen wie ein Solar-Gründach kann sinnvoll sein.

Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als kompetenter Dienstleister Kommunen und ihre Einwohner in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig, produkt- sowie anbieterneutral.

Das Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen unterstützt Kommunen und andere Akteure unter anderem durch die Bereitstellung von Datengrundlagen auf Landesebene, Beratung zur Umsetzung von Risikoanalysen, zum Aufbau eines Anpassungsmanagements und zur Umsetzung von Maßnahmen.

Beispiele für kommunale Förderprogramme

– Kaiserslautern: Fördert bis zum 31. Januar 2027 die Begrünung von Haus- und Garagendächern mit 90 Prozent der tatsächlichen Kosten, maximal 5.000 Euro.
– Neustadt an der Weinstraße: Fördert bis Herbst 2026 im Rahmen eines lokalen Förderprogramms private Maßnahmen für den Klimaschutz und die Anpassung, wie beispielsweise die Fassaden- und Dachbegrünung.
– Landkreis Mayen-Koblenz: Die Förderung erfolgt in Form eines Festzuschusses wobei die Förderhöhe maximal 40 % der als förderfähig anerkannten Kosten beträgt. Dach- und Fassadenbegrünungen werden mit maximal 2.000 Euro pro Grundstück gefördert. Bei Solargründächern, d. h. einer gleichzeitigen Nutzung von Dächern für Photovoltaik und Dachbegrünung, erhöht sich die maximale Förderung auf 3.000 Euro. Förderanträge sind bis 31.10.2026 möglich.



Quelle Text/Bild:
Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
Lina-Pfaff-Str. 4
67655 Kaiserslautern

www.energieagentur.rlp.de

Kaiserslautern, 09.07.2026