Deutlicher Anstieg der Demenzfälle auf mehr als 100.000 bis 2060 bei gleichzeitigem Rückgang der Erwerbsbevölkerung erwartet

Die Zahl der Demenzfälle in Rheinland-Pfalz wird bei steigender Lebenserwartung von heute rund 65.000 auf mehr als 100.000 im Jahr 2060 zunehmen. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln. Auf Basis eines kleinräumigen Prognoseverfahrens wird für das Jahr 2060 eine regionale Spanne von 1,9 Prozent Demenz-Erkrankten in Ludwigshafen bis zu 3,9 Prozent im Landkreis Cochem-Zell vorausgesagt. Selbst in den günstigsten Szenarien der Modellrechnung steht den zunehmenden Demenz-Fallzahlen insbesondere in ländlichen Regionen mit einer alternden Bevölkerung ein deutlicher Rückgang der Erwerbsbevölkerung gegenüber.
Unter der Annahme einer weiter steigenden Lebenserwartung ist laut der Prognose davon auszugehen, dass die Zahl der Demenzfälle in Rheinland-Pfalz von rund 65.000 auf mehr als 100.000 im Jahr 2060 ansteigen wird. Dieser deutliche Zuwachs kann allerdings abgemildert werden, wenn es gelingt, die Rate der Demenz-Neuerkrankungen durch Präventionsmaßnahmen zu verringern. Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung bei vielen verschiedenen Faktoren – unter anderem eine bessere Prävention von Bluthochdruck und Diabetes, aber auch ein höheres Bildungsniveau – dazu beitragen, dass etwa die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann. Wenn man diese Präventionsszenarien zugrunde legt, könnten die Demenz-Fallzahlen im Jahr 2060 deutlich niedriger liegen und sich zwischen 62.000 und 75.000 stabilisieren.
„Der Blick auf die alternativen Szenarien machen deutlich, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt. Bereits kleine Verbesserungen bei der Neuerkrankungsrate können langfristig sehr große Effekte haben. Durch Prävention sowie eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Verzicht auf das Rauchen, mehr Bildung, die Behandlung von Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation kann einer Demenzentwicklung effektiv vorgebeugt werden“, sagt Udo Hoffmann, Beauftragter des Vorstandes der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse.

Bestimmte Regionen in Rheinland-Pfalz besonders betroffen
Die Prognose der Demenz-Entwicklung und der Bevölkerungszahlen basiert auf einem neuartigen Verfahren, mit dem es auch möglich ist, Ergebnisse regional fein gegliedert bis auf Kreisebene darzustellen. In den Ergebnissen auf Ebene der 36 Kreise und kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz zeigt sich, dass die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit relativ alter Bevölkerung deutlich zunehmen werden. Für das Jahr 2060 wird eine Spanne von 1,9 Prozent in Ludwigshafen bis zu 3,9 Prozent im Landkreis Cochem-Zell prognostiziert.



Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall in Rheinland-Pfalz
Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen für Rheinland-Pfalz nicht nur eine deutliche Zunahme der Demenzfälle, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Dementsprechend wird der steigenden Demenz-Fallzahl eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können. Im Jahr 2020 lag die Kennzahl zum Verhältnis von Personen mit Demenz bei 2,6 je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Rechnerisch stand also einem Demenzfall eine Zahl von etwa 38 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber. Die Kennzahl wird bis zum Jahr 2060 auf einen Wert von 5,1 ansteigen, sodass auf einen Demenzfall nur noch 20 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein. Selbst im optimalen Präventionsszenario, in dem sich die Demenz-Fallzahlen stabilisieren, wird sich das Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verschlechtern, sodass auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter immer noch 3,1 Demenzfälle kommen.

Auch in der Prognose zu den erwerbstätigen Personen pro Demenzfall zeigt sich eine große regionale Spanne. So wird die Kennzahl zum Verhältnis der Demenzfälle zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter je nach Region Werte zwischen 3,1 und 8,3 (Ludwigshafen zu Cochem-Zell) erreichen. Bei einem Wert von 8,3 stehen rechnerisch nur noch zwölf Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung eines Demenzfalles in der Region zur Verfügung. „Ganz klar zeigen unsere Ergebnisse, dass Demenz eine ganz konkrete Herausforderung auf kommunaler Ebene ist. Darauf müssen sich Versorgungsstrukturen, Pflegeangebote und Kommunalpolitik einstellen“, betont Hoffmann. Die Ergebnisse zu der regionalen Entwicklung der Demenz-Fallzahlen und der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ermöglichten die frühzeitige Planung der notwendigen Anpassungen der Versorgungsstrukturen. Die Prävention von Demenz sei damit nicht nur gesundheitspolitisch sinnvoll, sondern auch sozial- und wirtschaftspolitisch dringend geboten – bei gleichzeitigem Aufbau von Versorgungsstrukturen, damit sich abzeichnende regionale Engpässe in der Versorgung vermeiden lassen.

Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland ist sich ihrer Verantwortung bewusst und bietet ein qualitätsgesichertes und umfangreiches Portfolio von Präventions- und besonderen Versorgungsangeboten für ihre Versicherten an.

Links: https://www.aok.de/pk/demenz/, https://www.aok.de/pk/rps/praeventionsbroschueren/

Hintergrund: Neu entwickeltes Prognoseverfahren
Für das neu entwickelte Prognoseverfahren ist das sogenannte MikroSim-Modell, das die demografische Entwicklung Deutschlands inklusive Außen- und Binnenwanderungsströmen simuliert, von den Forschenden an der Uni Trier um epidemiologische Kennzahlen zu Demenzhäufigkeiten, Demenzneuerkrankungen sowie Demenzsterblichkeit aus dem WIdO erweitert worden. Die Entwicklung der verschiedenen Szenarien erfolgte mithilfe der Expertise von Forschenden im Bereich der Demographie und der neurodegenerativen Erkrankungen an den Universitäten Rostock und Köln. Die Prognosen basieren auf einer eng gefassten Demenz-Falldefinition, in der reversible Fälle ausgeschlossen wurden. Es handelt sich also um konservative Schätzungen, die eher die untere Grenze der erwartbaren Fallzahlen darstellen dürften.

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Quelle Text/Bild:
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Eisenberg, 24.06.2026