Lesetipps von der Buchhandlung „blaue Blume“ 29.01.

Essay
Aldous Huxley – Zeitalter der Oligarchen
Mit gespenstischer Klarsicht nahm Aldous Huxley schon 1946 unsere Gegenwart vorweg: Durch technologischen Fortschritt konzentriert sich politische Macht plötzlich in den Händen weniger. In Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs haben Nationalismus und geopolitische Machtspiele Hochkonjunktur, während Demokratie und Solidarität leiden. Stilistisch brillant beschreibt Aldous Huxley das aufziehende Zeitalter einer Tech-Oligarchie – einer Welt, in der Boy Gangster in den Regierungen sitzen und das Recht des Stärkeren die Freiheit aller bedroht. Huxleys prophetische Intervention war 80 Jahre lang verschollen. Heute trifft sie mitten ins Mark.

Roman
Stewart O’Nan – Abendlied
Vier ältere Frauen in Pittsburgh, die zusammenhalten und sich vom Alter nicht unterkriegen lassen: Emily, Krimileserin und Hundeliebhaberin, Arlene, seit Langem pensionierte Lehrerin, die von ihrem Gedächtnis im Stich gelassen wird, Kitzi, die sich allzu gerne für andere aufopfert. Und schließlich Susie, mit 63 die Jüngste der vier, die nach ihrer Scheidung langsam den Weg zurück ins Leben und sogar eine neue, aufregende Liebe findet. Die vier kennen sich aus dem Chor und treffen sich zum Bridge, vor allem aber betreiben sie den Humpty Dumpty Club, eine Selbsthilfeorganisation von und für alte Frauen. Gemeinsam navigieren sie durch familiäre Katastrophen, organisieren Krankenhausbesuche, besuchen Konzerte und halten trotz aller Differenzen zusammen. Und keiner weiß besser als Emily, Arlene, Kitzi und Susie, wie man eine Beerdigung organisiert.



Roman
Marco Balzano – Bambino
Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

Kinder- und Jugendroman
Mohana van den Kroonenberg – Dodo
Dodo ist ein einfühlsamer, stellenweise melancholischer Kinder- und Jugendroman über Dorian, der nach einem peinlichen Moment in der neuen Klasse beschließt, nicht mehr zu sprechen – und ausgerechnet zu einem ausgestopften Dodo eine besondere Verbindung spürt. Die Geschichte erzählt von Schulalltag, Scham und Einsamkeit und zeigt, wie stark Vorstellungskraft als Schutzraum sein kann. Was besonders schön ist: Die durchgehenden, liebevollen Illustrationen machen das Buch zu etwas ganz Besonderem. Es ist berührend, klug und ermutigend – besonders für alle, die Schulwechsel, Unsicherheit oder das Gefühl von „nicht dazuzugehören“ kennen.

——————–
Quelle Text/Bild:
buchhandlung blaue blume
Richard-Wagner-Str. 46
67655 Kaiserslautern

www.buchhandlung-blaue-blume.de

Kaiserslautern, 29.01.2026