Mit „Tina Blau. Im Freien“ widmet das mpk, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, der österreichischen Malerin Tina Blau ab dem 31. Januar 2026 erstmals in Deutschland eine große Überblicksausstellung. Die Schau zeichnet anhand von rund 50 Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen die Entwicklung einer Künstlerin nach, die mit ihrer konsequenten Freilichtmalerei und ihrem sensiblen Umgang mit Licht und Atmosphäre den Aufbruch in die Moderne in München und Wien entscheidend prägte. Die Ausstellung wird in Kooperation mit dem Wiener Belvedere, der Universität Wien und dem Kunstmuseum Ahlen realisiert. Stimmungsvolle Landschaften der Fotografin Simone Nieweg und eine interaktive Arbeit des Medienkünstlerduos Christa Sommerer und Laurent Mignonneau, die Landschaft als kulturell, technologisch und ökologisch geprägten Raum neu verhandeln, ergänzen die historische Position. Ermöglicht wird die Ausstellung unter anderem durch die großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, Berlin.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Tina Blaus künstlerische Entwicklung zwischen 1862 und 1916. Früh arbeitete die Wienerin direkt vor dem Motiv und fand so zu einer eigenständigen Bildsprache, in der Naturbeobachtung, Lichtführung und atmosphärische Dichte eine zentrale Rolle spielen. Ihre Malerei markiert den Übergang von akademischen Landschaftskonzepten hin zu einer modernen Auffassung von Natur als sinnlich erfahrbarem, sich wandelndem Raum. Werke wie „Apriltag im Prater“ (1889) aus der Sammlung des mpk zählen zu den Schlüsselarbeiten ihres Œuvres.
„Wir freuen uns sehr“, so Annette Reich, Kuratorin der Ausstellung, „zur weiteren Erforschung von Tina Blau und ihrem kulturgeschichtlichen Kontext ein Netzwerk an Unterstützerinnen und Unterstützern gewonnen zu haben. Der Ausstellungskatalog, der während der Laufzeit der Ausstellung erscheinen wird, bietet neue Forschungsergebnisse, worüber wir sehr glücklich sind.“
Neben der künstlerischen Qualität ihres Werks thematisiere die Ausstellung auch Tina Blaus Position im kunst- und gesellschaftshistorischen Kontext ihrer Zeit. Als erfolgreiche Ausstellerin und Lehrende an Kunstschulen für Frauen in München und Wien behauptete sie sich in einem männlich dominierten Kunstbetrieb. Ein besonderer Fokus liegt auf ihrem Münchner Umfeld sowie auf der Sammlung des Hofrats Joseph Benzino. „Diese bedeutende Sammlung Münchner Malerei, seit 1903 im mpk, bildet den historischen Kern unserer Gemäldesammlung.“, so Direktor Steffen Egle, „Mit Tina Blau. Im Freien erforschen wir unseren Bestand und setzen die Reihe der Wiederentdeckungen von Künstlerinnen und Künstlern fort, die bislang zu wenig im Kanon präsent sind.“ Schließlich ermögliche die Schau exemplarische Einblicke in das private Sammlertum um 1900.
Zwei zeitgenössische Positionen erweitern die Ausstellung um gegenwärtige Perspektiven auf Landschaft. Die Fotografin Simone Nieweg, ausgebildet in Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher, richtet ihren Blick auf scheinbar unspektakuläre Landschaften: Kleingärten, Flurstücke, Wälder oder Meeresblicke. Ihre Fotografien vermeiden klassische Kompositionsmuster und romantische Lesarten. Stattdessen irritieren monumentale Nahansichten, versperrte Horizonte und dichte Farbflächen. Im Gegenüber zu Tina Blau wird deutlich, dass Landschaft im Anthropozän nicht nur als idyllischer Sehnsuchtsort erscheint, sondern auch als ambivalenter, vom Menschen geprägter Raum – offen für Interpretation, ohne eindeutigen Sehauftrag.
Einen weiteren zeitgenössischen Akzent setzen die Österreicherin Christa Sommerer (*1964) und der französische Videokünstler Laurent Mignonneau (*1962), beide international renommierte Pioniere der interaktiven Medienkunst. Mit ihrer Arbeit „The Interactive Plant Growing“ (1992/2026) thematisieren sie die Beziehung von Natur, Technologie und menschlichem Handeln. In interaktiven Environments entstehen virtuelle Pflanzenformen durch die Beteiligung der Besucherinnen und Besucher. Das Künstlerduo verbindet Verfahren des Artificial Life mit ästhetischen Fragestellungen und eröffnet neue Perspektiven auf Wachstum, Wandel und ökologische Systeme. Ihre Arbeit steht exemplarisch für einen zeitgenössischen Naturbegriff, der Prozesshaftigkeit, Vernetzung und Partizipation in den Mittelpunkt rückt.
Die Ausstellung „Tina Blau. Im Freien“ versteht sich damit auch als Dialog über Landschaftsbilder vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wie sich Wahrnehmung, Darstellung und Bedeutung von Natur über mehr als ein Jahrhundert hinweg verändert haben – und welche Fragen dabei bis heute virulent geblieben sind.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Österreichische Galerie Belvedere, der Universität Wien, dem Kunstmuseum Ahlen sowie dem DFKI – Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern und wurde großzügig von der Kulturstiftung der Länder, Berlin, sowie dem Verein der Freunde des mpk unterstützt.
Katalog: Der Katalog zur Ausstellung vereint unterschiedliche, bisher nicht bekannte Aspekte zu Leben und Werk der Wiener Malerin Tina Blau. Die Essays der acht Autorinnen und Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der Motivwahl der Künstlerin, ihrer Reisetätigkeit, den Ausstellungsstrategien, den Inspirationsquellen, der Einordnung ihrer Kunst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in den Kanon sowie den Medien Malerei und Fotografie. Zwei Interviews mit zeitgenössischen Künstlerinnen, die in den Bereichen Fotografie und Installation arbeiten, erweitern den Blick in die Gegenwart.
Laufzeit: 31. Januar bis 25. Mai 2026
Eröffnung: Wir eröffnen die Ausstellung am Freitag, 30. Januar 2026, 19 Uhr.
Grußworte und Podium:
Karin Althaus, Fachbereichsleiterin Städtische, Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München; Frank Druffner, Stellvertretender Generalsekretär, Kulturstiftung der Länder, Berlin; Steffen Egle, Direktor mpk; Jürgen Hardeck, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration in Rheinland-Pfalz; Hans-Ulrich Ihlenfeld,
Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz; Tobias Lück, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ausstellung; Simone Nieweg Künstlerin; Christa Sommerer, & Laurent Mignnonneau, Künstlerduo; Annette Reich, Kuratorin der Ausstellung; Stella Rollig, Generaldirektorin, Österreichische Galerie Belvedere, Wien Weingenuss vom Weingut Hinterbichler, Bobenheim am Berg.
Begleitprogramm
Kurator:innenführungen
mit Annette Reich: So., 29.03., 11 Uhr, So., 12.04., 11:00 Uhr
mit Tobias Lück: So., 15.02., 15:00 Uhr,
Familienführungen:
In der Natur, So., 01.02., 11.:00 Uhr,
Mein perfekter Park, So., 01.03., 11:00 Uhr,
Märchenstunde
Die zwei alten Bäume, So., 15.02., 15:00 Uhr,
Bild des Monats und Kurator:innenführung,
Die Fotografin, Simone Nieweg, mit Tobias Lück, Sa., 07.03., 14:30 Uhr
Matinée-Lesung:
Wiener Moderne, mit Morphy Burkhart von der Buchhandlung blaue blume, So., 15.03., 11:00 Uhr
Bei Anruf Kultur – Inklusives Vermittlungsformat
Di.,21.04., 15:00 Uhr,
„Apriltag im Prater“. Die österreichische Landschaftsmalerin Tina Blau (1845-1916)
KLANGFARBEN
So., 10.05., 11 Uhr, Wiener Kaffeehausmusik mit dem Pardall-Quartett, Klangfarben, eine Veranstaltung der Freunde des Museums Pfalzgalerie e.V.
weitere Führungen unter www.mpk.de
Quelle Text/Bild:
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautren
Museumsplatz 1
67657 Kaiserslautern
www.mpk.de
Kaiserslautern, 21.01.2026











