Lesetipps von der Buchhandlung „blaue Blume“ 08.01.

Roman
Jonathan Coe – Der Beweis meiner Unschuld
Der Journalist Christopher will einen politischen Zirkel entlarven, der in Cambridge gegründet wurde, um die britische Regierung in eine rechtsextreme Richtung zu drängen. Seine Recherchen führen ihn zu einem Kongress in einem alten Herrenhaus. Dort nehmen die Ereignisse eine unheilvolle Wendung und ein Mord passiert. Liegt das Verbrechen in der aktuellen Politik oder in einem alten literarischen Rätsel begründet? Coes neuer Roman ist böse und witzig, spielt mit verschiedenen Genres und zeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart oft in den dunkelsten Ecken der Vergangenheit zu finden ist.

Roman
Gaea Schoeters – Das Geschenk
Elefanten mitten in der Großstadt. Rasch muss der Bundeskanzler erkennen, dass die Tiere nicht aus dem Zoo entkommen, sondern ein Geschenk des Präsidenten von Botswana sind. 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt, nachdem die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen und damit den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzogen hat. „Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen …“ Die von der Kritik gefeierte Autorin hat eine hintergründige Satire über utopische Ziele, politische Machbarkeit und die Untiefen der Wirklichkeit geschrieben, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleiben kann.

Roman
Dimitrij Kapitelman – Russische Spezialitäten
Eine Familie aus Kyjiw verkauft russische Spezialitäten in Leipzig. Wodka, Pelmeni, SIM-Karten, Matrosenshirts – und ein irgendwie osteuropäisches Zusammengehörigkeitsgefühl. Wobei, Letzteres ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr zu haben. Die Mutter steht an der Seite Putins. Und ihr Sohn, der keine Sprache mehr als die russische liebt, keinen Menschen mehr als seine Mutter, aber auch keine Stadt mehr als Kyjiw, verzweifelt. Klug ist es nicht von ihm, mitten im Krieg in die Ukraine zurückzufahren. Aber was soll er tun, wenn es nun einmal keinen anderen Weg gibt, um Mama vom Faschismus und den irren russischen Fernsehlügen zurückzuholen?

Roman
Doris Knecht – Ja, nein, Vielleicht
Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlt sie sich wieder frei: Die Kinder sind ausgezogen, in ihrem Dasein zwischen Großstadt und Landleben breitet sich Ruhe aus. Doch dann wird ihre Wohnung von ihrer Schwester besetzt, es droht ihr ein Zahn auszufallen und sie wird mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Während sich das eher marginale gesundheitliche Dilemma zu einer kleinen existenziellen Krise auswächst, trifft sie im Supermarkt einen Mann von früher wieder: Friedrich. Eine Begegnung, die sie vor eine Frage stellt, mit der sie sich eigentlich nicht mehr beschäftigen wollte: Ist sie bereit für eine weitere Liebesbeziehung? Oder besser gesagt: Ist sie bereit, ihr gutes Leben zu teilen, ihre innere Zufriedenheit schon weider zu riskieren? Ein Roman über das Leben als Frau, der das ewige Primat der romantischen Liebe infrage stellt.

Roman
Percival Everett – Zerstörungslust
Wala Kitu ist ein renommierter Professor für Mathematik an der Brown University, Experte für das Nichts. Das macht ihn zum perfekten Berater für den Schwarzen Milliardär John Sill. Dieser will einen in Fort Knox bewahrten Schuhkarton knacken, in dem sich angeblich ’nichts‘ befindet. Denn wer das Nichts kontrolliert, soll die Weltherrschaft an sich reißen können – und Sill sinnt wegen der jahrhundertelangen Ungerechtigkeit der Weißen auf Rache. Percival Everett hat einen hinreißenden Spionageroman und einen satirischen Seitenhieb auf Ethnie und Macht in den USA geschrieben. Und nebenbei berühmte Spionage-Thriller durch den Kakao gezogen.

Roman
Steffen Kopetky – Atom
London zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Eigentlich will Simon Batley nie wieder mit dem britischen Geheimdienst zu tun haben. In den zwanziger Jahren als Physikstudent in Berlin hat er für den MI6 gearbeitet, naiv und undercover. Das führte zu einer Katastrophe, die Batley nie ganz verstand. Doch der Krieg ändert alles. Batley stößt auf die Spur einer neuen Waffe der Deutschen, viel zerstörerischer als alle Raketen, mit denen die Nazis England angreifen. Er reist als Spion nach Lissabon – und schließlich ins Dritte Reich. Er will den mysteriösen Hans Kammler aufspüren: Der ist als Chefplaner von unterirdischen Forschungsstätten und geheimen Waffenprogrammen einer der mächtigsten Nazis. Kopetzky erzählt spannend vom Streben des Deutschen Reiches nach Atomwaffen und der Verstrickung der Wissenschaftler in die Welteroberungspläne der Nazis

Kriminalroman
Lavie Tidhar – Adama
1946 beginnt die junge Ruth, sich in Palästina ein neues Leben aufzubauen, getrieben von jugendlichen Idealen in einem Land, das ihr feindlich gesinnt ist. Sie ist eine ungarische Zionistin, die, anders als die meisten Mitglieder ihrer Familie, den Nazis in Budapest entkommen konnte. Ruth wird das Herz des Kibbuz Trashim, und für sie ist der Kibbuz heilige Erde, also ‚Adama‘, seine Existenz ist ihre Lebensaufgabe. Tidhar folgt in seinem Roman Ruths Geschichte durch die Jahre 1945 bis 2009. Und damit durch die Turbulenzen des Staates Israel. Die Auseinandersetzung mit den Briten, die Vertreibung der Araber, der Sechs-Tage-Krieg und der Jom-Kippur-Krieg machen Ruth noch zäher und härter als sie eh schon war. Neben dem Porträt einer beeindruckenden Frauenfigur und ihrer Familie, schreibt Lavie Tidhar auch die Gewaltgeschichte des Staates Israel. Der Roman gewann den Deutschenkrimipreis 2025 (Übersetzungen) und war Platz 1 der Krimi-Jahresbestenliste 2025.



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Quelle Text/Bild:
buchhandlung blaue blume
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Kaiserslautern, 08.01.2026