„BUND“ verfasst Stellungnahme zur Ortsumgehung Olsbrücken

Weitere geplante Umgehungsstraßen im Lautertal ähnlich kritisch einzustufen

Aus Gründen des Natur-, Klima- und Umweltschutzes lehnt der BUND Kaiserslautern die geplanten Ortsumgehungen ab. Die Planung ist mit einem sehr großen Eingriff in Natur und Landschaft verbunden. Sie wirkt sich zudem negativ auf die Frischluftzufuhr im Lautertal aus. Im landespflegerischen Begleitplan heißt es: „Als bedeutsame Frischluftbahn ist das Tal hochempfindlich gegenüber Barrieren und empfindlich gegenüber größeren Veränderungen der Nutzungen, die die übrigen Klimaparameter verändern.“ Die unbebauten Hänge im Lautertal sind bedeutende Kaltluftproduzenten, die die Durchlüftung des Tals sicherstellen.

Die Planung beruht auf einem nicht nachhaltigen Mobilitätskonzept und ist mit einer qualitativ wertvollen Entwicklung des Lautertals nicht zu vereinbaren. Der Naturraum Lautertal wird durch die geplante Umgehungsstraße und die explizit gewünschten Ansiedlungen neuer Gewerbegebiete an diese stark überformt. Lebensräume werden zerstört und zerschnitten, zahlreiche auch seltene Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Der Bedarf für die Umfahrung ist nicht gegeben. Der LBM erwartete von 2008 bis 2025 eine Zunahme von 6700 auf 8350 Fahrzeuge. Tatsächlich ist die Anzahl bis 2018 aber auf 6500 Fahrzeuge gesunken. Sie ließe sich durch einen zielgerichteten Ausbau der Lautertalbahnstrecke sowie guter Konzepte zur Verknüpfung von Mobilitätsträgern weiter massiv senken. Auch dadurch kommt es zu einem Abwägungsfehler in der Beurteilung der Notwendigkeit der Umgehungsstraße. Der größte Abwägungsfehler resultiert aus Sicht des BUNDs aber aus einem lebensfeindlichen bedienen individueller Egoismen seitens der politisch Verantwortlichen. Autofahrende werden neuerdings oft als homogene Wählergruppe gesehen, was nicht stimmt. Denn Autofahrerinnen und Autofahrer definieren sich in aller Regel nicht allein dadurch, sondern sie sind auch Radfahrende, Spaziergänger und Naturliebhaber. Trotzdem werden Pseudoargumente bedient: Es wird so getan, als ließe sich mit noch mehr Straßen für das Allgemeinwohl ein Vorteil erreichen. In Wirklichkeit bringen neue Gewerbegebiete aber kaum wirklich neue Arbeitsplätze, meist wird nur verlagert. Durch die fast verschenkte Fläche ist der Flächenverbrauch extrem. In unserer Situation eines historisch beispiellosen materiellen Wohlstands muss es jetzt darum gehen die natürlichen Grundlagen dieses Wohlstandes zu schützen, um ihn überhaupt bewahren zu können. Diesen Wohlstand auf Grundlage von Steigerung des materiellen Verbrauchs weiter zu erhöhen verkehrt sich ins Gegenteil. Der Ansatz der Zukunft muss lauten: Wohlbefinden durch Qualität, schöne Landschaft, gute Luft, sicheres Lebensumfeld.

Dem Allgemeinwohl dienende Infrastruktur wie Schwimmbäder und Schulen stehen in Frage oder werden geschlossen. Der Ausbaugrat von Radwegen und ÖPNV – Verbindungen ist höchst mangelhaft. Auch im Lautertal. Überall fehlt das Geld. Vor diesem Hintergrund sind die immensen finanziellen Aufwendungen zum Bau der Straße abzulehnen. Demgegenüber bietet die Straße dem Allgemeinwohl wenig: Die Fahrzeitverkürzung ist gering und kommt nur wenigen zu Gute. Weitere Verkehrsströme werden in das Lautertal gezogen. Dadurch steigt die Lärmbelastung. Im aufkommenden Zeitalter der Elektromobilität werden nicht mehr die Motoren die Lärmemissionen verursachen, sondern die Reifengeräusche. Diese steigen bei höheren Geschwindigkeiten exponentiell. Die Umgehungsstraßen bedingen durch die deutlich höheren Geschwindigkeiten damit wesentlich höhere Belastungen.

„Zum Schutz der Menschen in den Ortschaften vor Lärm, Reifenabrieb und Gefährdung an Leib und Leben erscheint es deswegen deutlich sinnvoller, Tempo 30 Zonen mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen einzurichten.“ So Tobias Wiesemann, Kreisvorsitzender vom BUND Kaiserslautern

Quelle Text/Bild:
Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND)
Tobias Wiesemann, Vorsitzender BUND Kreisgruppe Kaiserslautern
Trippstadter Str. 25
67663 Kaiserslautern

https://kaiserslautern.bund.net/

Kaiserslautern, 02.12.2019