Stadionneubau am Fröhnerhof direkt an Wildkatzenkorridor

BUND Kaiserslautern kritisiert Standortwahl

In seiner Sitzung am 20.10.2026 beschloss der Gemeinderat Mehlingen einstimmig den neuen Bebauungsplan für den Fröhnerhof. Damit steht einem Stadionneubau für 5000 Zuschauer nichts mehr im Wege. Vergebens bat die Kreisgruppe Kaiserslautern des BUND um eine Vertagung des Beschlusses. In seiner Stellungnahme zum Verfahren hatte der BUND verschiedene Fragen aufgeworfen, welche nach Auffassung der Umweltschützer seitens des Planungsbüros und der Verwaltung noch nicht ausreichend aufgearbeitet worden sind:

Gutachten und fachlichen Betrachtungen gehen davon aus, dass die zulässige Höchstzahl von 5.000 Stadionbesuchern nur selten erreicht wird. Der jetzt beschlossen Bebauungsplan ermöglicht jedoch eine solche Besucherzahl grundsätzlich an jedem Spieltag. Eine Möglichkeit, diese Diskrepanz aufzulösen, wäre eine textliche Festsetzung im Bebauungsplan gewesen, gemäß der beispielsweise mehr als 2.500 Besucher an maximal vier Spieltagen pro Saison zulässig sind. Aus Umweltsicht wäre dieser Zusatz sehr zu begrüßen gewesen. Der Stadionneubau verfügt über ein aus Umweltsicht sensibles Umfeld. Die Auswirkungen der Stadionnutzung wären dann sicher auf das Maß begrenzt worden, welches im Bebauungsplan auch untersucht worden ist.
Der BUND hat auf die überregionale Bedeutung des unmittelbar angrenzenden Wildkatzenkorridors hingewiesen. Diesen sieht er in Abwägung und Artenschutzgutachten nicht ausreichend berücksichtigt. Auch wenn das Plangebiet bereits anthropogen überformt ist, gilt dies nicht für die angrenzenden Bereiche (FFH – Schutzgebiet), die durch Schall- und Lichtemissionen sowie menschliche Aktivitäten zukünftig verstärkt beeinträchtigt werden. Wildkatzen stellen eine Indikatorart dar, welche beispielgebend für viele Wildtiere steht, die den entsprechenden Korridor nutzen. Wildkatzen sind sehr scheue Tiere, die durch Licht und Schall möglicherweise vergrämt werden. Inwiefern Ausweichmöglichkeiten bestehen und wie Schutzmaßnahmen aussehen könnten wurde nicht ermittelt. Durch das Fehlen der im Verfahren auch von der Stadt Kaiserslautern angeregten Befassung mit der Wildkatze im Artenschutzgutachten wird dieser Bereich möglicherweise anfechtbar.
Die verkehrliche Erschließung, insbesondere im Umfeld des neuen Stadions, ist für den BUND bislang nicht ausreichend nachvollziehbar. Offen sind unter anderem die konkrete Umsetzung des Shuttle-Busverkehrs, die hierfür benötigten Flächen, die Verbindlichkeit möglicher Vereinbarungen mit der Stadt Kaiserslautern sowie die genauen Parkmöglichkeiten für Stadionbesucher. Auch wenn diese Aspekte teilweise außerhalb des Geltungsbereichs des räumlich sehr eng gefassten Bebauungsplans liegen, haben sie doch elementaren Einfluss auf die unmittelbare Umgebung. Es wäre wichtig gewesen zu sehen, ob durch die Abwicklung der Verkehre weitere negative Einflüsse auf die Naturräume resultieren.
Die in der Abwägungstabelle auch vom federführenden Planungsbüro festgestellte unzureichende Umsetzung der bisherigen Ausgleichsmaßnahmen wirft Fragen hinsichtlich der bisherigen Umsetzungspraxis auf. Das Stadion liegt gemäß ursprünglichem Bebauungsplan von 1999 auf einer wichtigen Ausgleichsfläche für die Nutzung des Fröhnerhofs als Trainingsgelände. Diese Ausgleichsfläche wurde in einem zwischenzeitlichen Bebauungsplanverfahren in einen Rasenplatz umgewandelt. Der betreffende B-Plan wurde allerdings nie als Satzung beschlossen. Auf Grund der sogenannten „Planreife“ wurde der Bau des Trainingsplatzes dennoch genehmigt. Die genaue Zuordnung der notwendigen Ausgleichsmaßnahmen ist damit unklar. Es stärkt nicht das Vertrauen in die Behörden und den Verein, wenn Ausgleichsmaßnahmen nicht umgesetzt werden. Der BUND erwartet dass die nicht erfolgten Maßnahmen transparent aufgearbeitet und deren zugesicherte Umsetzung dieses Mal dann kontrolliert wird.
Bei aller Wertschätzung für die wichtige Jugendarbeit des FCK hätte der BUND es begrüßt, wenn statt am naturräumlich sensiblen Fröhnerhof die geplante Spielstätte an einem städtebaulich besser integrierten Standort der Region realisiert würde. Die Umsetzung sollte nun baulich möglichst viele Nachhaltigkeitskriterien in Bezug auf Begrünung, energetische Versorgung usw. erfüllen. Darüber hinaus regt der BUND an, den Takt der Busverbindungen zur Haltestelle Fröhnerhof deutlich zu erhöhen, um insbesondere jungen Sportlerinnen und Sportlern eine bessere Teilhabe zu ermöglichen und die selbstständige Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt erst möglich zu machen. Trotz der gegebenen Offenheit des FCK für diese Themen hätten rechtlich bindende Festsetzungen im Bebauungsplan der sicheren Umsetzung bestimmt gut getan.

Der Vorstand der BUND Kreisgruppe Kaiserslautern, i. A. Tobias Wiesemann, Co-Sprecher

Quelle Text/Bild:
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
BUND-Kreisgruppe Kaiserslautern
Blücherstraße 12
67655 Kaiserslautern

kaiserslautern.bund.net

Kaiserslautern, 22.10.2026

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