Es ist die grundlegende Entscheidung in der Katzenhaltung: Sollen die vierbeinigen Mitbewohner ausschließlich in der Wohnung leben oder dürfen sie auch Freigang genießen? Die Diskussionen, die um diese Frage geführt werden, sind überaus kontrovers und emotional aufgeladen. Für einige Katzenhalter:innen entsteht der Eindruck, gar keine richtige Entscheidung treffen zu können. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes kostenloses Heimtierregister betreibt, nähert sich der Frage daher auf einer sachlichen Ebene. Unter Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Verhalten und den Bedürfnissen von Katzen, dem Tierschutz und der menschlichen Verantwortung kommt TASSO zu dem Schluss: Beides kann für das jeweilige Tier die richtige Entscheidung sein. Und beides kann die falsche Wahl sein.
„Ob Freigang für eine Katze die passende Haltungsform ist, lässt sich nicht pauschal beantworten“, sagt Heike Weber, Leiterin Tierschutz bei TASSO. „Für viele Katzen ist Freigang eine sinnvolle und bereichernde Haltungsform. Gleichzeitig gibt es Tiere und Lebenssituationen, in denen ein unkontrollierter Freigang nicht die verantwortungsvollste Lösung ist. Auch reine Wohnungshaltung ist nicht automatisch für jede Katze passend. Entscheidend ist eine individuelle Abwägung unter Berücksichtigung des jeweiligen Risikoprofils.“
Einige Voraussetzungen müssen jedoch zu Hause – unabhängig von der Form der Haltung – für alle Katzen gegeben sein, um ein glückliches Katzenleben zu gewährleisten. Dazu gehören:
– Rückzugsmöglichkeiten und Ruheplätze
– Ausreichende und gut verteilte Ressourcen
– Die Möglichkeit, ihr arttypisches Verhalten auszuleben
– Positive Interaktionen mit Menschen
– Eine verlässliche Geruchsumwelt, in der Duftmarkierungen bleiben dürfen und nicht ständig neue Eindrücke hinzukommen
– Wenn diese Grundlagen erfüllt sind, rücken weitere Fragen in den Vordergrund.
Ist sicherer Freigang möglich? Unfälle im Straßenverkehr sind der häufigste Grund für den frühzeitigen Tod von Katzen mit Freigang. Es ist daher entscheidend, in welchem Umfeld die Katze lebt, wenn sie Freigang haben soll. Eine Gegend mit vielen und stark befahrenen Straßen birgt ein großes Risiko. Doch auch die Nachbarschaft ist ein wichtiger Faktor. Gibt es dort viele Katzen mit Freigang? Haben diese feste Reviere, die sie auch gegen „neue Tiere“ verteidigen? Wie stehen die Nachbarn zu einer freilaufenden Katze? Mögliche Unstimmigkeiten sollten frühzeitig geklärt werden, damit es nicht zu Auseinandersetzungen kommt, unter denen die Katze leiden muss.
Kann der Zugang zum Außenbereich sicher gewährleistet werden? Im Idealfall bestimmt die Katze selbst über ihren Aufenthaltsort, indem sie beispielsweise eine Katzenklappe nutzen. Ist das nicht umsetzbar, sollten Halter:innen den Freigang aktiv und zuverlässig ermöglichen, damit die Katze eine feste Routine entwickelt und sich auf den Freigang verlassen kann.
Passt die Haltungsform zur Katze selbst? Dazu gehören Alter, Gesundheit, der individuelle Charakter, Vorerfahrungen und vieles mehr. Gerade bei Tierschutzkatzen wissen die Mitarbeitenden im Tierheim oft, welche Haltungsform für das Tier die richtige sein könnte.
Welche Haltungsform ist im Alltag umsetzbar? Das Wohl der Katze steht im Mittelpunkt jeder Haltungsentscheidung. Damit eine Haltungsform dem Tier langfristig gerecht werden kann, muss sie aber auch zum Alltag der Menschen passen. Gerade wenn noch keine Katze eingezogen ist und die Haltung im Vorfeld geplant wird, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Möglichkeiten: Kann eine Wohnung so gestaltet werden, dass ausreichend Beschäftigung, Rückzug, Bewegung und Umweltreize möglich sind? Oder sprechen Wohnumfeld und Alltag eher für eine andere Form der Haltung? Eine gute Entscheidung entsteht nicht nur aus dem Wunsch nach einer bestimmten Haltungsform, sondern aus der Frage, was für Katze und Halter:innen dauerhaft tragfähig ist.
Heike Weber fasst zusammen: „Die richtige Haltungsform ist die, die zum jeweiligen Tier und den individuellen Lebensumständen passt. Statt pauschaler Antworten sind genaues Hinschauen und ehrliche Antworten gefragt.“
Wichtig ist: Egal, für welche Haltungsform sich entschieden wird, Tierhalter:innen haben immer eine große Verantwortung. Auch wer eine Freigängerkatze hält, kann sich der aktiven Tierhaltung nicht entziehen, in dem die Tür geöffnet und das Tier sich selbst überlassen wird. Eine sichere Bindung an den Menschen und feste Routinen sorgen dafür, dass die Katze zuverlässig zurückkommt und ihr Zuhause als sicheren Rückzugsort nutzt. Weiterhin können eine gute Bindung und passende Auslastung zu Hause auch einen Einfluss darauf haben, wie groß das Revier der Katze wird, wie jagdlich ambitioniert sie ist und wie stark sie sich nach Außen orientiert. Zur verantwortungsvollen Tierhaltung gehört deshalb auch, mögliche Auswirkungen auf Wildtiere mitzudenken und die Bedingungen im Umfeld der Katze bewusst im Blick zu haben.
In jedem Fall – auch bei einer reinen Wohnungshaltung – sind Kennzeichnung und Registrierung der Katze bei TASSO die Basis einer sicheren und verantwortungsbewussten Tierhaltung.
Weitere Infos finden Sie auf den TASSO-Webseiten zum Thema
Quelle Text/Bild:
TASSO-Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland e.V.
Otto-Volger-Str. 15
65843 Sulzbach/Ts.
Deutschland
www.tasso.net
Sulzbach/Ts., 07.04.2026
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