ZÖPNV treibt den Ausbau der Schiene weiter voran

Weitere Reaktivierungsprüfungen beauftragt

In seiner Verbandsversammlung am 09.Oktober 2023 hat der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV Süd) weitere Weichenstellungen zum Ausbau des Rheinland-Pfalz-Taktes vorgenommen. So stellten der Verbandsvorsitzende Landrat Dr. Fritz Brechtel und Verbandsdirektor Michael Heilmann die Ergebnisse der vorliegenden ersten Nutzen-Kostenuntersuchungen vor. Die Versammlung beschloss gleichzeitig, weitere Reaktivierungsgutachten in Auftrag zu geben, um die Revitalisierungschancen aller noch vorhandenen Bahnstrecken im Verbandsgebiet systematisch zu untersuchen.

Strecke Landau – Germersheim und die nördliche Glantalbahn werden weiter untersucht

Für das angekündigte Ranking zur Abstimmung der Ausbaukonzepte mit den finanziellen Möglichkeiten des Landes ergaben die vorliegenden Nutzen-Kosten-Untersuchungen, dass die Strecken Landau – Germersheim und die nördliche Glantalbahn Lauterecken – Meisenheim – Staudernheim weiter betrachtet werden. Mit beiden Strecken würden, über die regionale Erschließungsfunktion und verbesserte ÖPNV-Anbindung hinaus, auch wichtige Lückenschlüsse im Bahnnetz hergestellt. Bei beiden Strecken wurde der Personenverkehr Mitte der 1980er Jahre eingestellt, die südpfälzische Strecke 1984, die Glantalbahn im Mai 1986. Für die nördliche Glantalbahn wurden bis zu 1.500 Reisenden ermittelt, für die Strecke Landau – Germersheim von rund 2.000 Reisenden. Durch die Reaktivierung dieser beiden Strecken können zudem je Strecke zwischen 800 – 900 zusätzliche Fahrgäste für den ÖPNV gegenüber dem heutigen Angebot gewonnen werden.



Für Landrat Dr. Fritz Brechtel steht fest, dass die guten Ergebnisse für die beiden Strecken weitere vertiefende Untersuchungen rechtfertigen. Mit Blick auf die notwendigen Investitionen für eine mögliche Reaktivierung betont er, dass „die Mobilität der Zukunft nicht umsonst zu haben ist“.

Leider nicht weiter betrachtet werden können die Strecke Landau – Herxheim sowie die mittlere Glantalbahn von Lauterecken bis Altenglan. Für die südpfälzische Stichstrecke konnte weder für einen Pendelbetrieb zwischen Landau und Herxheim noch als integrierter Teil einer teilweise neu zu bauenden Stadtbahnlinie Karlsruhe – Rülzheim – Landau ein Nutzen-Kosten-Wert erreicht werden, der weitere Betrachtungen rechtfertigt. Bei der mittleren Glantalbahn zeigte sich, dass mit dem Fehlen eines stärkeren zentraleren Ortes wie Meisenheim im Nordabschnitt, die Nachfrage nicht ausreichend hoch wäre, um die erheblichen Investitionen zu rechtfertigen.

Vor diesem Hintergrund beschloss die Verbandsversammlung, die Vorentwurfsplanung für die Strecken Landau – Germersheim und die nördliche Glantalbahn Lauterecken – Meisenheim – Staudernheim in Auftrag zu geben. Diesbezügliche vertiefende Untersuchungen sind auch notwendig, um beim Bund nach der (zunächst unverbindlichen) Anmeldung zur Förderung aus dem GVFG-Bundesprogramm den entsprechenden konkreten Förderantrag stellen zu können.

Weitere Machbarkeitsstudien und Nutzen-Kosten-Untersuchungen beauftragt

Gleichzeitig hat der ZÖPNV nun die Prüfung weiterer Reaktivierungen und Netzergänzungen beschlossen. Bei der Hunsrückquerbahn wird, so Verbandsdirektor Michael Heilmann, „in enger Abstimmung mit unserem Partnerverband im Norden und dem Klimaschutzministerium die Reset-Taste gedrückt“. Das Reaktivierungskonzept wird gegenüber früheren Ideen einer bevorzugten Anbindung des Flughafens Hahn entscheidend geändert: Im Vordergrund steht die regionale Erschließung, die Anbindung der Kreisstadt Simmern an die Schiene sowie ein schrittweises Vorgehen. Das für die nun zu vergebende Untersuchung beim ZÖPNV Süd federführend erarbeitete Betriebsprogramms ist modular aufgebaut, so dass die Abschnitte der Hunsrückquerbahn sowohl gesamthaft als auch, von Langenlonsheim her, abschnittsweise betrachtet werden können. Außerdem orientiert es sich sehr stark an der vorhandenen Infrastruktur, um aufwändige und somit auch teure Investitionen in Begegnungsabschnitte möglichst zu vermeiden. Durch diese Vorgehensweise können alle noch vorhandenen Abschnitte der Hunsrückquerbahn in die Prüfungen einbezogen werden. „Die bislang ausschließliche Betrachtung als Gesamtstrecke von Langenlonsheim bis zum Flughafen mit knapp 64 Kilometern hat sich als nicht zielführend herausgestellt“ so die Bilanz der bisherigen Überlegungen.

Auch für die Integration der Zellertalbahn in den Rheinland-Pfalz-Takt wird der ZÖPNV eine Nutzen- Kosten Untersuchung beauftragen. Sie könnte als kürzeste Verbindung zwischen Kaiserslautern und Worms eine neue verkehrliche Funktion erfüllen, die deutlich über die Nutzung im saisonalen Wochenendverkehr hinausgeht. Außerdem würde sie als potentielle Umleitungsstrecke bei Störungen der Hauptecke Saarbrücken – Mannheim eine wichtige Resilienzfunktion übernehmen können.

Darüber hinaus hat die Verbandsversammlung einer Mittelfreigabe für weiterführende Detailuntersuchungen zur Erweiterung des Stadtbahnnetzes ins Ludwigshafener Umland zugestimmt. Gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und den betreffenden Kommunen werden nun die notwendigen Studien beauftragt, um das bestehende Netz der Meterspurstrecken in der Rhein-Neckar-Region in die benachbarten Kommunen im Rheinpfalzkreis weiterzuführen. Konkret werden neue Stadtbahnverbindungen in Richtung Neuhofen/Waldsee, Mutterstadt/Dannstadt und in Richtung Pfingstweide untersucht. In weiteren Schritten wären dann auch Weiterführungen bis Frankenthal und Speyer denkbar, die aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht betrachtet werden.

„Mit unserem Paket an Gutachten und Untersuchungen sorgen wir für die fachlichen Grundlagen, damit das seitens des Landesklimaschutzministerium angekündigte Ranking bei den Reaktivierungen beim Ausbau des Rheinland-Pfalz-Taktes auf soliden Füßen stehen kann. Auch weil die Projekte ohne die Bundeszuschüsse aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz nicht realisierbar sind, benötigen wir stabile Bewertungen. Wir wollen das Ausbaukonzept Rheinland-Pfalz-Takt 2030+ gemeinsam mit dem Klimaschutzministerium und den Kommunen aufs Gleis setzen“, erklärt Landrat Dr. Fritz Brechtel abschließend.

Die Bedeutung von Verbindungsstrecken – heute mit dem Stichwort Resilienz beschrieben – wurde im Sommer 1987 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Als ein Schiff die Maxauer Rheinbrücke beschädigte und deswegen die Bahnstrecke gesperrt wurde, mussten die Züge von Landau nach Karlsruhe nicht ausfallen. Sie konnten stattdessen über die damals noch vollintakte Strecke Landau – Germersheim und weiter über Graben-Neudorf umgeleitet werden. Mit einer Reaktivierung der Strecke könnte die bestehende Lücke im südpfälzischen Bahnnetz wieder geschlossen werden.


Die Aufnahme zeigt einen solchen Umleiterzug vom Sommer 1987 bei der Durchfahrt des früheren Bahnhofs Hochstadt und kann für diese Pressemeldung kostenfrei verwendet werden (Aufnahme und alle Rechte: fritz engbarth).

Quelle Text/Bild:
Zweckverband öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd
Bahnhofstraße 1, 67655 Kaiserslautern

www.zoepnv-sued.de
www.rolph.de

Kaiserslautern: 12.10.2023

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